München

Ihre Motive sind verschieden, ihre Absichten die gleichen: Bayerns Kultusministerium und die Stadt München suchen nach einer Möglichkeit, das Wachstum der Ludwig-Maximilians-Universität, der mit über 32 000 Studenten größten Hochschule der Bundesrepublik, zu begrenzen. Wenn es bislang noch nicht zu einer Aktionseinheit gekommen ist, so liegt das vornehmlich an den ideologischen Gegensätzen zwischen: dem konservativen Kultusminister Hans Maier und dem von einer SPD-Mehrheit beherrschten Stadtrat.

Die Konzeption des Kultusministeriums sieht vor, daß die Zahl der Studierenden überschaubar – und damit kontrollierbar – bleibt und möglichst wenige Studenten sich in Gruppen engagieren, deren Ziele „oben“ mißfallen. Die Stadt wird bedrängt von einer Bürgerinitiative, die sich die Erhaltung der Maxvorstadt, in der die Universität liegt, zum Ziel gesetzt hat und deshalb gegen die Expansion der Hochschule kämpft.

Im vorigen Jahr machte das Kultusministerium den Anfang und schlug eine Begrenzung der Studentenzahl auf 29 500 vor. Die Universität fand sich dazu jedoch nicht bereit, obgleich auch sie einräumte, daß „organisatorische Gründe und die räumliche Begrenztheit im Stadtinnern die Festsetzung einer oberen Grenze für die Studentenzahl notwendig machen“.

In der Zwischenzeit durchkreuzte das Bundesverfassungsgericht die Pläne des Kultusministeriums. Im Numerus-clausus-Urteil befanden die Richter, die Zulassung zum Studium dürfe nur beschränkt werden, wenn die Kapazität in dem betreffenden Fach nachweislich ausgeschöpft sei. Damit war eine völlige Zulassungssperre nicht mehr möglich: Also werden nach und nach die einzelnen Fächer belegt, bis kein Platz mehr zur Verfügung steht.

Der Numerus clausus erhitzt denn auch die Gemüter der betroffenen Abiturienten und ihrer Eltern. Und weil das Problem auf die Schnelle grundsätzlich nicht zu lösen ist, sucht man weiter nach Patentrezepten, die man in der Öffentlichkeit zur Diskussion stellt.

Die neueste Anregung: Verkürzung des Studiums der jungen Leute, die bereits einen der vielbegehrten Plätze besitzen. Der Bayerische Rechnungshof hatte bereits Anfang dieses Jahres gerügt, daß die Studienzeiten immer länger würden und den Steuerzahler zu sehr belasten; die Süddeutsche Zeitung wandte sich gegen „Bummelstudenten“, deren Zahl sie auf 3000 schätzte. Unterstützenswert fand diese Vorschläge der in der CSU-Landtagsfraktion für kulturpolitische Fragen zuständige Abgeordnete Erich Schosser, der indes bedauerte, daß man gegen die Langsamen erst nach Inkrafttreten des Bayerischen Hochschulgesetzes am 1. Januar 1974 etwas unternehmen könne.