Die Bundesregierung zog am Montag die erwarteten Konsequenzen aus der Drosselung des arabischen Ölexports. An den nächsten vier Sonntagen dürfen Kraftfahrzeuge nicht für private Zwecke benutzt werden, außer in Notfällen, für Fahrten zur Arbeit und in die DDR. Das Fahrverbot gilt jeweils von 3 Uhr morgens für 24 Stunden; seine Mißachtung wird mit mindestens 500 Mark bestraft. Vom kommenden Montag an tritt außerdem eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen und 80 Kilometern auf Bundesstraßen in Kraft.

Bundeswirtschaftsminister Friderichs will die Verordnungen „so unbürokratisch wie möglich“ handhaben lassen. Vor der Presse stellte er einen unbeschränkten privaten Autoverkehr an den verkaufsoffenen Samstagen, zu Weihnachten und Neujahr in Aussicht. Mögliche Einschränkungen im Januar ließen sich noch nicht übersehen. Friderichs appellierte erneut an die Verbraucher, Energie zu sparen. Die Verminderung der Zimmertemperatur um zwei Grad ergäbe schon einen um zehn Prozent geringeren Heizölverbrauch.

Der Wirtschaftsminister räumte ein, daß die Regierung zu Beginn der Energiekrise über unvollständige Informationen von draußen verfügt habe. Damit entschuldigte er die anfangs zu optimistische Einschätzung der Situation. Die Bundesregierung verhandele mit den arabischen Staaten mit dem Ziel, die Transitwege vom Boykott der Niederlande auszunehmen. 22 Prozent des Rohöls und 50 Prozent des Mineralöls der Bundesrepublik werden über Rotterdam importiert.

Die Bundesrepublik folgt mit ihren Maßnahmen den zum Teil radikalen Energieeinsparungen in anderen Ländern. In drei Staaten – Holland, Belgien, Dänemark – ist bereits ein Sonntagsfahrverbot erlassen. In Griechenland ruht der private Autoverkehr auch am Samstag. Geschwindigkeitsbeschränkungen; gibt es in Belgien, Luxemburg, Dänemark, Rumänien und der Schweiz. Frankreich und Portugal verordneten eine Kontingentierung von Benzin. In Großbritannien sind Mineralöllieferungen an die Verbraucher um zehn Prozent gekürzt worden, Lichtreklamen wurden verboten,

Europa drosselt seinen Energieverbrauch, obwohl die Araber den Ölexport im Dezember nicht um weitere fünf Prozent gegenüber November verringern wollen. Auf der halbjährlichen Konferenz der ölexportierenden Staaten (OPEC), diesmal in Wien, begründeten die Araber die momentane Abkehr von der proklamierten Marschrichtung („jeden Monat fünf Prozent weniger, bis Israel alle besetzten Gebiete zurückgegeben hat“) mit der europäischen Gemeinschaftserklärung zugunsten des arabischen Standpunkts.

Im Gegensatz zu dieser Honorierung des EG-Papiers vom 6. November steht die unnachgiebige Haltung der Araber gegenüber Japan, das sein Öl zu 80 Prozent vom Persischen Golf bezieht. Der saudiarabische ErdölministerAchmed Saki Jamani erklärte vor Journalisten in Wien, daß Japan für ungehinderten Rohölbezug seine diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen müsse.