Von Horst-Werner Harteil

Düsseldorf

Die Neugliederung des Ruhrgebietes, von Karikaturisten gern als neuer dreißigjähriger Krieg zwischen Lippe und Rhein gesehen, wird nun doch wahr – friedlich und schiedlich. Innenminister Willi Weyer (FDP) und Oppositionsführer Heinrich Köppler (CDU) haben Frieden miteinander gemacht; der eine wie der andere strich etwas von seinen Maximalforderungen ab, und die Landesregierung fügte sich augenzwinkernd drein, daß der Landtag auf Antrag aller drei Fraktionen die Kabinettsvorlage in einigen Punkten gemeinschaftlich korrigieren wird. Nur eines steht fest: Die Regimenter von Bürgerinitiativen, die aus allen Himmelsrichtungen – sozusagen in schiefer Schlachtordnung – auf Düsseldorf marschieren, können nicht auf einen Sieg, bestenfalls hie und da auf eine Frontbegradigung hoffen.

Für die Montanstadt Duisburg zum Beispiel wird es nicht die geforderte Großraumlösung geben, die rheinüberschreitend noch den gesamten Kreis Moers schlucken sollte. Gerade hier hat Köppler „Halt“ gefordert; und Weyer, sonst auf durchbruchartige Prestigeerfolge bedacht, gab nach: „Keiner will mit dem Kopf durch die Wand!“ Auch im Zentrum des Ruhrgebietes zeichnen sich Kompromisse ab. Denn das von den Reformern in der Retorte gezeugte Kind „Glabotki“ – ein Zusammenschluß aus. den Städten Gladbeck, Bottrop und Kirchhellen – bleibt ungeliebt und folglich unterernährt.

Die jüngste Initiative – „Aktion Bürgerwille“ – wehrt sich mit Händen und Füßen gegen solche kommunalen Zuschneidereien, und der 31jährige Pressechef der Aktion, Uwe Fenner, läßt sich auch nicht als „Lokalpatriot oder Spinner“ abtun. Die Organisation sorgt sich um „Bürgernähe“, sie möchte die Kilometerstrecke zwischen Rathaus und Einwohner nicht zu groß werden lassen. Über 12000 Unterschriften für den Antrag auf ein Volksbegehren hat sie zusammengebracht – 3000 wären nur nötig gewesen.

Was sachkundiger Protest in der Landeshauptstadt bewirkt, kann voller Genugtuung das malerische Städtchen Kettwig im Ruhrtal vorführen. Zuerst sollte der Ort Essen zugeschlagen, dann Mülheim einverleibt werden; inzwischen sagt gar der sonst auf umfassende Reformen pochende FDP-Fraktionschef im Landtag, Stadtdirektor a. D. Hans Koch: „Das müssen wir alles noch einmal ganz gründlich überlegen ...“