Karl Rolf Seufert begann als Aufbereiter historischer Afrika- und Orientexpeditionen, die er in ein packendes, dramatisches Erzählungsgewand kleidete. „Die Karawane der weißen Männer“, „Die Türme von Mekka“ verschafften ihm schon vor Jahren Anerkennung, Preiszusprüche und Übersetzungen in andere Sprachen. In jüngster Zeit hat sich Seuferts Interesse so stark auf den vormals „Schwarzen Kontinent“ konzentriert, daß drei umfangreiche Dokumentationen zur Erforschungsgeschichte unseres südlichen Nachbarkontinents bei drei verschiedenen Verlagen, jedoch mit sehr verwandtem, teilweise sogar kongruentem Inhalt, erschienen. Den Anfang machte „Abenteuer Afrika“ im Herder Verlag, Freiburg, 1971. Fünfzehn Forscher, Reisende und Abenteurer defilierten auf über 300 Seiten am jugendlichen und erwachsenen Leser vorbei, geschickt dokumentiert und mit zeitgenössischen Darstellungen in Holzschnitt, Litho und Kupferstich illustriert.

In diesem Jahr macht sich Seufert zu diesem Titel gleich mit zwei weiteren Bänden Konkurrenz:

Karl Rolf Seufert: „Durch den Schwarzen Kontinent – Von Mungo Park bis Henri Lhote – Abenteuer und Schicksale bekannter Afrikaforscher“; Arena Verlag, Würzburg, 1973; 235 S., III. und Karten, 18,– DM

Karl Rolf Seufert: „3000 Jahre Afrika“; Signal Verlag, Baden-Baden, 1973; 176 S., Abb., 19,80 DM.

Wiederum begegnen uns die Männer, denen Seufert früher schon Bücher oder Einzelkapitel in anderen Sammelwerken widmete: Giovanni Belzoni, Heinrich Barth, David Livingstone, Gerhard Rohlfs, Georg Schweinfurth, Carl Mauch, Hans Rede, Henry Morton Stanley. Und wieder sind Karten- und Bildbeigaben aus den Archiven hervorgekramt worden, sind im Laufe der Jahre mehr als 1000 Seiten Afrikaliteratur entstanden, in denen wagemutige Männer, verbohrte, nicht selten fanatische Einzelgänger und Tatmenschen Gesundheit und Leben riskierten, die letzten weißen Flecken der Afrikakarten mit sinnhaften Zeichen zu füllen.

Was leistet Seufert mit seinen Titeln? Er spinnt den umstreitbaren Faden fort, daß Männer Geschichte machen; er liefert oft faszinierende Beiträge zur Individualpsychologie der von einer Idee Besessenen, wahre Kabinettstücke menschlichen Ehrgeizes und Geltungsstrebens. Was dem Autor zugute kommt, ist Lokalkenntnis aus mehreren Afrikareisen. Atmosphäre, Landschaften und Klima, Unwetter- und Naturkatastrophen darzustellen gelingt ihm so gut wie die präzise Zeichnung der einzelnen Helden und Hauptgestalten.

Was zu kurz kommt, ist das heutige Afrika mit seinen unüberwundenen Krisen, den wiederaufflammenden Stammesrivalitäten, den schwelenden Herden des Neokolonialismus, den weiteren Gefahren eines unreflektierten, profitorientierten Massentourismus, an dessen Erträgen die Masse der (schwarzen) farbigen Bevölkerung nur verschwindend geringen Anteil hat.