Neue Naturschutz-Bestimmungen sollen die Reiterwege einschränken

Die zwanzig Demonstranten, die kürzlich in Münchens Innenstadt auftraten, erregten Aufsehen weniger durch ihr Anliegen als durch die Tatsache, daß sie ihrem Protest noch zu Roß Ausdruck verliehen. Was die bayerischen Pferdelenker wollten, ist einfach zu erklären – reiten nämlich.

Diese Freizeitbeschäftigung soll ihnen in Zukunft durch ein neues Naturschutzgesetz beschnitten werden, und zwar nicht nur durch Landes-, sondern bald auch durch Bundesgesetz, Zu diesem Thema traf man sich höheren Ortes wenige Tage später auch im Berliner Reichstagsgebäude zu einer öffentlichen Anhörung. Vor 27 Abgeordneten, die einem neu ins Leben gerufenen Sonderausschuß des Bundestages angehören, erhielten zehn Verbandsvertreter und zwei Sachverständige Gelegenheit, ihre Meinung darzulegen. Viel klüger schied man nicht voreinander: Von den zwölf Experten sprachen sich vier für das Reitverbot in freier Natur und vier für die Reiterlaubnis aus. Weitere vier verhielten sich „sowohl als auch“, neutral mit leichter Tendenz für die Forderungen der Reiter.

Wandern und Radfahren

Worum geht es? In Hessen fanden sie eine Regelung, die einigermaßen zufriedenstellte, in Nordrhein-Westfalen gab es handfeste Proteste, in Bayern steht eine Verfassungsklage ins Haus. Das Thema ist jedesmal das gleiche: Die Länderregierungen verabschiedeten Naturschutzgesetze.

Was in vergangenen Tagen der Überbeschäftigung mit einigem Gleichmut zur Kenntnis genommen worden wäre, hat bei der gegenwärtigen Freizeit- und Umweltwelle besonderes Gericht erhalten. Beeinträchtigt in ihrem Steckenpferd fühlen sich durch die neuen Gesetze vor allem die organisierten und nichtorganisierten Reiter. In Nordrhein-Westfalen dürfen sie nicht mehr in den Wald, in Bayern seit dem Sommer weder in den Wald noch in die Flur.

Nun hat der neugefaßte Artikel 24, Absatz 2, des bayerischen Naturschutzgesetzes („Reiten ist unbeschadet der Straßenverkehrs- und wegerechtlichen Vorschriften nur auf solchen Privatwegen und Flächen in der freien Natur zulässig, die eigens für das Reiten freigegeben sind. Wandern und Radfahren sind vorrangig“) tatsächlich Folgen, die nicht nur die Reiter unangenehm treffen, sondern auch jene Land- und Forstwirte, die man damit schützen wollte.