Hamburg

Druck und Aufmachung des Werbeprospekts ließen zunächst vermuten, es handle sich um ein Sonderangebot vom Supermarkt. Doch diesmal wurden nicht tiefgefrorene Puterkeulen oder vorjährige Grünkohlkonserven aus Lagerbeständen offeriert, sondern „Partner für Gerechtigkeit“ umworben. Absender war die Justizbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, die Personal sucht: „Hamburgs Justiz stellt sich vor. Und Quiz Rund um die Justiz. Mitmachen und gewinnen.“

Auf den beiden Innenseiten grünt es sehr grün – Reminiszenz an den Slogan „Hamburg, Stadt im Grünen“, auch an die kürzlich verblühte Internationale Gartenbauausstellung. Auf Seite zwei und drei erfährt der Leser außerdem, was die Partner für Gerechtigkeit so alles zu tun haben. An der Spitze Richter und Protokollführer, dann Staatsanwalt und Rechtspfleger, Mittlerer Justizdienst, Justizwachtmeister, diejenigen, die in den Gefängnissen arbeiten, und endlich die „Damen im Schreibdienst“. Was sie tun, kann alle hoffen lassen, die dächten, der Richter spreche das letzte Wort. Denn: „Sie fertigen sämtliche Urteile, Beschlüsse und Verfügungen.“

„Justiz ist für alle da“ – auf Seite drei – und „Jeder Bürger hat Anspruch auf die Hilfe der Justiz, wenn es um sein Recht geht!“ – spenden Hoffnung auf Geborgenheit. Da der Prospekt sich an Leute richtet, die zum erstenmal Kunde von der Dritten Gewalt bekommen, verschlägt es wenig, daß diese Seite von einem Bild des Hanseatischen Oberlandesgerichts gekrönt ist. Instanzen hin, Instanzen her – die hohe Kuppel vom Jugendstilbau des OLG ist sicher werbewirksamer.

Und dann darf man raten. Wer ist das wohl in der Skizze einer Gerichtsverhandlung? Also: Nummer eins ist der Angeklagte – das darf wohl verraten werden. Der in Uniform dürfte der Justizwachtmeister sein. Und so weiter. Wer alle Rollen errät, dem winken Preise. Nicht gerade ein Platz an der Sonne – aber immerhin:

Zehn erste Preise: „Ein Tag rund um die Justiz in Hamburg.“ Mit Empfang beim Justizsenator, Gespräch mit Hamburger Richtern, Mittagessen im Ziviljustizgebäude (wer hätte nicht Sehnsucht nach einer Kantine?), Führung durch das Strafjustizgebäude und die Untersuchungshaftanstalt, Kaffeetrinken. Nicht zu vergessen: ein Buchgeschenk.

Zwanzig zweite Preise: „Großer Blick hinter die Kulissen der Justiz in Hamburg.“ Diese Gewinner werden vom Leiter des Justizamtes empfangen, dürfen auch das Strafjustizgebäude und das, durch etliche Skandale populäre, UG besichtigen und nachher Kaffee trinken. Plus Buch.