Philipp Juch sieht sich als Opfer des von der Bundesregierung verfügten Sonntagsfahrverbots. Diese Woche mußte er mit seiner Familie acht Torten verdrücken. Denn Philipp Juch betreibt im mittelalterlichen Zons, ein paar Kilometer rheinaufwärts von Düsseldorf, das „Weinhaus Torschänke“. Vergangenen Sonntag kamen drei Gäste und machten eine Zeche von insgesamt acht Mark – von den vorbereiteten Torten aß niemand. Zu dieser Jahreszeit sind sonst vier- bis fünfhundert Mark Umsatz üblich.

Für Juch gibt es nur eine Alternative: Die nächsten Sonntage werden keine Torten gebacken, und die Weinschenke wird geschlossen bleiben. Kollege Peter-Josef Schmitz, Pächter des „Alten Zollhaus“ in Zons, klagt ebenfalls: „Mies war der Sonntag in jedem Fall.“ Statt 90prozentiger Auslastung schaffte er am ersten fahrfreien Sonntag nur 30 Prozent.

Aber nicht nur der Düsseldorfer Ausflugsort ist vom Ölboykott und seinen Folgeerscheinungen betroffen. Am Montag gingen beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) traurige Meldungen ein: „Erschütternde Umsatzeinbußen“, so Verbandssprecher Bläser, kennzeichneten das Wochenende ohne Autos. Aus dem Sauerland, der Eifel und dem Münsterland hätten einige Betriebe sogar Umsatzrückgänge bis zu hundert Prozent beklagt. Nicht einmal die Hoffnung, daß wenigstens die „Betriebe um die Ecke“ ihr Geschäft machen würden, hat sich erfüllt.

Einige Hoteliers hatten sich auf die autofreien Wochenenden vorbereitet. Sie offerierten unter der Devise „Fahrverbot – ein Vorteil für Sie“ preiswerte Wochenendarrangements. Doch nur zu einem geringen Teil wurden diese Angebote ausgenützt, da nur wenige Sonntagsurlauber schon am Montag in aller Frühe das Hotel verlassen wollten, um rechtzeitig am Arbeitsplatz erscheinen zu können. Nutznießer der Sparaktion waren deshalb vor allem Stammgäste, die auch ohne Preisnachlaß ihr Wochenende im Hotel verbracht hätten.

Bei der Dehoga sieht man die ersten Pleiten kommen, wenn das Sonntagsfahrverbot verlängert werden sollte. Vorerst vertröstet des Verband seine Mitglieder damit, daß sie nach Paragraph 10 des Energiesicherungsgesetzes Entschädigung erwarten dürfen. Freilich gilt dies nur, wenn die Maßnahmen der Regierung einen „enteignungsgleichen Eingriff“ darstellen. Immerhin will die Berufsorganisation „ihre Forderungen recht präzise beim Bundeswirtschaftsministerium anmelden“, so ein Leitartikel im Branchenblatt „Deutsche Hotel-Nachrichten“.

Neben dem Hotel- und Gaststättengewerbe machen sich, auch die Reiseveranstalter Gedanken über die Zukunft. Sie tüfteln daran, nachträglich den Flugtouristen einen Ölzuschlag abzufordern. Eine Möglichkeit wird in England praktiziert. Dort werden seit diesem Wochenende von den Fluggästen am Flughafen Ölzuschläge verlangt. Wer von London nach Palma de Mallorca fliegen will, muß drei Pfund extra bezahlen.

Aber noch immer benutzen die meisten Urlauber auf dem Weg zu ihrem Ferienziel das eigene Auto als Beförderungsmittel. Sie werden unterm Weihnachtsbaum noch keine Pläne schmieden können, solange sie nicht wissen, wann, wo und welche Beschränkungen gelten. Ein Trost: In Rumänien wird seit letzter Woche Benzin rationiert – Touristen, so heißt es, seien davon nicht betroffen. Kai D. Eichstädt