Die Bundesanstalt für Arbeit darf vorerst keine ausländischen Arbeitnehmer mehr in die Bundesrepublik und nach Westberlin vermitteln. Mit dieser einschneidenden Verfügung will die Bundesregierung für den Fall vorsorgen, „daß sich aus der Energieversorgung gewisse Beschäftigungsrisiken ergeben“. Damit verschärft Bonn die Restriktionen, die mit dem zunächst vierwöchigen Sonntagsfahrverbot und der Geschwindigkeitsbegrenzung begonnen hatten.

In Westdeutschland und Westberlin gibt es rund 2,6 Millionen Gastarbeiter, darunter 23 Prozent Türken (600 000), 20 Prozent Jugoslawen (520 000), 18 Prozent Italiener (468 000), 11 Prozent Griechen (286 000) und acht Prozent Spanier (208 000). Die Italiener sind von der Zuwanderungssperre ausgenommen, weil innerhalb der Europäischen Gemeinschaft Freizügigkeit herrscht.

Diejenigen Ausländer, deren Verträge bereits abgeschlossen sind, dürfen ebenfalls nach Deutschland kommen. Der Bundesanstalt liegen aber darüberhinaus 60 000 Anwerbeaufträje von deutschen Firmen vor.

Zur Zeit warten mehr als eine Million Türken auf, eine Genehmigung zur Arbeit in der Bundesrepublik. Der Generalsekretär des türkischen Geverkschaftsbundes, Halil Tunc, befürchtet, daß die Anwerbungssperre eine Dauermaßnahme sei. In Jugoslawien herrscht, ungeachtet gegenteiliger offizieller Verlautbarungen, große Sorge, daß sich die Arbeitslosigkeit in den südlichen Landesteilen verstärkt.

Bundesregierung und Polizei haben das Verkehrsverhalten der Bürger am ersten „autofreien“ Sonntag gelobt. Das Fahrverbot für alle privaten Kraftfahrzeuge (außer in Notfällen und mit Arbeitsbescheinigungen) wurde nur selten übertreten, die Vorankündigung maßvoller Kontrollen (im Vertrauen auf den „mündigen und einsichtsvollen Bürger“) nicht ausgenutzt. Bei 200 000 Stichproben konnten nur 2100 Autofahrer (= ein Prozent) sich nicht ausreichend legitimieren.

Auch die seit Samstag geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden weitgehend beachtet. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle sank an diesem Tag auf unter 20 (tägliche Durchschnittszahl: 45).

Bundeskanzler Brandt kündigte vor dem Kabinett an, daß das Energiekonzept der Bundesregierung beschleunigt verwirklicht werden soll. Die Fachminister sollen außerdem angesichts der Ölkrise Vorschläge unterbreiten, wie sozial Schwache von Folgewirkungen verschont bleiben und wie die Fristen für die Genehmigung von Energieinvestitionen und Energieforschungsvorhaben verkürzt werden können.

In einer Fernseherklärung versicherte Brandt, die Regierung bereite sich auf den Fall vor, daß „der Wind härter wehen sollte“. Die Krise sei nicht zu verharmlosen. „Die überwältigende Mehrheit unserer Bürger hat dies verstanden ... Man kann uns dann nicht erpressen, wenn wir der Not begegnen, ehe sie uns wirklich auf den Nägeln brennt... Größere Opfer werden nicht verlangt, jedenfalls nicht im Augenblick.“ Für das neue Jahr deutete Brandt die Möglichkeit einer Benzin- und Heizölrationierung an.