Von Ehrhard Frühsorge

Der Weg zum Paradies war kurz, konsequent und direkt. Es war ein Weg ohne Alternative. Als wir vor 28 Jahren begannen, unsere Trümmer wegzuschaufeln, wollten wir nie wieder Schlange stehen. Wir wollten nie wieder unter Druck leben.

Wir wollten eine freiheitliche Gesellschaftsordnung. Wir bauten auf. Und zwangsläufig wurde diese Lebensform zum Träger unserer Erfolge und zum Symbol unseres Daseins. Die uns vom Krieg aufgezwungene Askese war eine belastende Erinnerung und verursachte die Sehnsucht nach unbegrenztem Konsum. Wir produzierten und kauften, wir produzierten mehr und konsumierten mehr. Und weil alle produzieren wollten und mußten, wurden alle verführt, mehr zu verdienen, um mehr kaufen zu können. Der Kreislauf der sozialen Marktwirtschaft begann.

Das ist der Beginn der Situation, mit der wir uns heute auseinanderzusetzen haben. Heute, nachdem die signifikanten „Wellen“ abgeebbt sind: die Freßwelle, die Bekleidungswelle, die Wohn- und Einrichtungswelle, die Reisewelle, die Freizeit- und Hobbywelle, die Gesundheitswelle. Bereits diese oft zitierten „Wellen“ beweisen, wie begrenzt und relativ kurzlebig – in größeren Zusammenhängen gesehen – bestimmte Konsum- oder Beschäftigungsintentionen des Menschen sind und wie einfach es demnach sein muß, neue „Wellen“ zu erfinden, zu propagieren und zu verkaufen.