Absolventen werden als „Dr. Hausfrau“ oder „Dr. Hausmann“ belächelt. Die berufliche Beschäftigung mit Haushalt und Ernährung scheint so verwunderlich, daß auch die Ökotrophologie, die Wissenschaft von Haushalt und Ernährung, nicht ernst genommen wird. Daß dieser Studiengang zu 80 Prozent von Frauen eingeschlagen wird, gibt zusätzlich Anlaß zum Schmunzeln.

„Ökotrophologie“ läßt sich am besten mit „Haushalts- und Ernährungswissenschaften“ übersetzen. Wer das Diplom erwirbt, trägt den Titel „Dipl. oec. troph.“. Und wer auch den Doktorhut erwirbt, darf seinen Briefkopf mit dem Titel „Dr. agr.“ schmücken.

Die Geburtsstätte der ökotrophologie ist eine Universität, die besonders durch ihre landwirtschaftliche Fakultät bekannt ist: die Justus-Liebig-Universität Gießen. Bereits seit dem Wintersemester 1962/63 kann man dort Haushalts- und Ernährungswissenschaften studieren. Hier arbeitet auch die erste habilitierte ökotrophologin der Bundesrepublik, die Professorin Rosemarie von Schweitzer.

Die Universität Gießen ist überzeugt davon, daß das neue Fach eine wirkliche Lücke füllen wird. In den Mitteilungsblättern der Uni wurde das so erklärt: „Entgegen den festgewurzelten Vorstellungen von einem traditional geführten Haushalt nach den seit Generationen von der Mutter auf die Tochter weitergegebenen Verhaltensmustern setzt sich die Einsicht durch, daß neue Ansätze und Lösungen gefunden werden müssen.“

ökotrophologen weisen gern darauf hin, daß ihr Forschungsgegenstand, der Haushalt, Umschlagplatz von mehr als der Hälfte des Nettosozialprodukts unserer Volkswirtschaft ist. Sie beschäftigen sich zwar mit Haushaltsfragen, aber keineswegs mit Kochen, Nähen oder Backen. Die drei Komponenten des Studiums: neben Haushalts- und Ernährungswissenschaften auch Sozial- und Naturwissenschaften. Der Student muß sich mit so unterschiedlichen Disziplinen wie Wirtschaftslehre des Haushalts, Haushaltstechnik, Lebensmittelkunde, Verbrauchslehre, Biochemie, Volkswirtschaftslehre und Soziologie beschäftigen.

Meistens freilich (bis auf die Fächer Haushalts- und Ernährungswissenschaften) sind nur die Einführungen in das jeweilige Fach zu besuchen. Nach einem viersemestrigen Grundstudium ist die Wahl zwischen den Schwerpunkten Ernährung und Haushalt möglich. Für dieses vertiefte Studium sind weitere vier Semester vorgesehen.

Die Wissenschaft vom guten Haushalten kann inzwischen nicht nur in Gießen studiert werden, sondern auch an der Technischen Universität München-Weihenstephan und den Universitäten Stuttgart-Hohenheim, Bonn und Kiel. Doch weder Studiengang noch Abschluß sind bisher vereinheitlicht.