Obwohl ich der Auffassung bin, daß es kein „besonderes“ Verhältnis zu irgendeinem Staat geben sollte, bildet Israel für mich die Ausnahme. An Israel scheiden sich die Geister. Wer etwas Sinn für Geschichte und geschichtliche Entwicklungen hat, wird den Fall definieren: Israel – ein Volk ohne Land, wegen seiner religiösen Überzeugung nirgends assimilierbar, verfolgt, gepeinigt, findet wieder zu sich selbst, zu seinem Ursprung zurück. Das ist ein in der gesamten Weltgeschichte einmaliger Vorgang. Es scheint mir eine moralische Frage, ob man hier pro oder kontra ist. Es gibt kein Recht, die Juden noch einmal aus Israel Zu vertreiben, so bedauerlich, auch, immer die arabische Situation sein mag. Neutralität? Nein.

Eva Jaschek, 18 Jahre

Diejenigen, die Israel stärker verpflichtet sein mußten, sind heute über 60 Jahre alt. Stärker verpflichtet, weil sie die damaligen, wirklich verurteilungswerten Ereignisse bewußt miterlebten oder sogar daran beteiligt waren. Doch wieviel Prozent der Bevölkerung sind denn das? Nein, man sollte endlich aufhören, besonders von israelischer Seite, uns als „den Deutschen“ eine Schuld in die Schuhe zu schieben, die heute Anlaß zu „besonderen Verhältnissen“ ist.

Wenn man von einer Verpflichtung gegenüber Israel sprechen kann, so sind das humanitäre Verpflichtungen im Krieg, die wir gegenüber den Menschen in den arabischen Staaten genauso haben. Die Bundesregierung hat die Verpflichtung, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Frieden und Sicherheit im Nahen Osten, unter Wahrung strengster Neutralität, für alle Völker zu erreichen. Friedrich Kick, 18 Jahre

*

Da die junge Generation für die Verbrechen im Dritten Reich nicht verantwortlich ist, besteht für sie keine direkte, aus der Vergangenheit herrührende moralische Verpflichtung gegenüber Israel, sondern eher die Verpflichtung zur Solidarität mit einem in seiner Existenz bedrohten Volk.