Von Dieter Piel

Die Krise der Versorgung mit Rohöl und Ölprodukten ist zwar erst wenige Wochen alt. Auch macht sie es dem Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs noch „nicht möglich“, ein „sicheres Bild“ über ihre Weiterungen im nächsten Jahr zu bekommen. So gering jedoch die bisherigen Erfahrungen mit dem Mangel und so verschwommen der Blick in die Zukunft auch sein mögen: Viele kennen schon einen Ausweg: Preiskontrollen und Verstaatlichung.

Der Juso-Vorsitzende Wolfgang Roth, ein Diplomvolkswirt immerhin, sieht den Zeitpunkt gekommen, die Mineralölindustrie in staatliche Regie zu überführen.

Noch steht Roth mit solchen weitgehenden Forderungen ziemlich allein. Immer stärker wird aber der Chor derer, die Preissteigerungen einschränken oder gar die Mineralölindustrie mit den Mitteln des Staates lenken wollen. Zu ihm zahlen Minister, Abgeordnete und Gewerkschaftsführte.

Schon auf der Kabinettssitzung in der vergangenen Woche, in der Bundeskanzler Brandt unter anderem von den noch nicht abzusehenden „sozialen, strukturellen und wirtschaftlichen Folgen“ der Mineralölunterversorgung sprach, forderten einige Kabinettsmitglieder Energiehöchstpreise. Noch konnten sie sich nicht durchsetzen. Sie scheiterten an der Einsicht Friderichs’, daß damit die Angebotslücken – bei der Rohöleinfuhr werden es vielleicht bald zwanzig Prozent sein – nicht geschlossen werden könnten.

Der Sozialist Eppler und der Liberale Friderichs sind sich darin einig, daß es eine den Gesetzen des Marktes überlassene Energiepolitik bislang weder in der Bundesrepublik noch in den anderen Industriestaaten gegeben hat. Während sich Friderichs jedoch entschieden dafür ausspricht, keine weitere Einschränkung des Wettbewerbs im Energiebereich hinzunehmen, erklärt Eppler mit schwäbischer Schläue, er wolle das von der „Vernunft der Menschen“ abhängig machen, von der in den Apologien der Marktwirtschaft so oft die Rede sei. Er selbst mag auf diese Vernunft nicht bauen.

Ähnlich wie Eppler argumentiert auch Vogel, der freilich betont, daß er mit stärkerer staatlicher Kontrolle eben jene in die Schranken weisen will, die das gleiche fordern: die „Systemgegner“. Ein nachhaltiger Energiemangel könnte in seinen Auswirkungen vor allem die sozial Schwachen treffen und damit so viel „sozialen Sprengstoff“ bilden, daß die ganze marktwirtschaftliche Ordnung unterminiert würde.