Von Wolfgang Hoffmann

Bundeskanzler Willy Brandt baut auch in der Krise auf seine Rolle als Volkskanzler. Betulich empfahl er sich selbst als den besten Krisenmanager: "Ich habe in meinem politischen Leben gelernt, mit Krisen umzugehen." Brandts Minister aber machen kaum den Eindruck, als hätten sie die Lage im Griff. Denn nahezu jeder Ressortchef hat sein eigenes Rezept.

Was die vielfältigen Krisenstäbe im Kanzleramt und in den Ministerien – auch der Länder – eigentlich wirklich wollen und planen, ist völlig offen. Dennoch gibt sich Staatssekretär Detlev Karsten Rohwedder aus dem Wirtschaftsministerium, in erster Linie für die Energiekrise zuständig, recht gelassen. Rohwedder "Es läuft doch alles."

Wie gut es noch läuft, erfuhr der Staatssekretär persönlich. Nach Rückkehr von einer Dienstreise mußte er feststellen, daß sein privater Öltank leergebrannt war. Nach vergeblichen Telephongesprächen mit Bonner Öllieferanten: rief Rohwedder die Hamburger Clearing-Stelle der Mineralölindustrie um Hilfe, nannte aber nur seine Adresse, nicht den prominenten Namen. Kurze Zeit später kam ein Händler und füllte Rohwedders Tank.

Auch in anderen Fällen meisterten die vier Zentralen Clearing-Stellen kurzfristige Versorgungsengpässe. Die Zuckerindustrie muß in diesen Monaten die Zuckerrübenernte verarbeiten. Der Energieeinsatz ist hoch. Eine Produktionsdrosselung während dieser Zeit könnte – die Maschinen unbrauchbar machen. Der Bonner Krisenstab registrierte die Notlage, und die Clearing-Stelle machte die Ölversorgung dann möglich.

Seit Bonn vor wenigen Wochen begann, die drohende Ölkrise ernst zu nehmen, arbeitet der Krisenstab im Bonner Wirtschaftsministerium nicht selten rund um die Uhr. Das Handikap der ersten Tage (Ulf Lantzke, für Energiefragen zuständiger Ministerialdirektor: "Einen besonderen Stab gab es bisher noch nicht") wurde inzwischen überwunden. Bislang bestand die für Fragen der Mineralölwirtschaft zuständige Unterabteilung aus einem Unterabteilungsleiter (Ministerialdirigent Kling), zwei Referenten und sechs Hilfsreferenten. Für Krisenzeiten ist der Personalbestand zu knapp. Jetzt! umfaßt der Krisenstab rund zwanzig Beamte. Lantzke: "Wir haben unseren Personalstab aus der ganzen Energieabteilung angereichert." Je nach Problemlage kann weiteres Personal aus anderen Abteilungen den. Entscheidend, für die Planung globaler Sparmaßnahmen und die Vorbereitung der durch das Energiesicherungsgesetz möglichen Rechtsverordnungen ist in erster Linie, der Informationsfluß. Die Quellen, die der Krisenstab anzapfen kann, sind vielfaltig. So läßt sich die Öllage erkennen:

  • aus den Importlizenzen der Firmen,
  • den Einführmeldungen der Gesellschaften,
  • den Zollscheinen für Lieferungen von Heizöl an private Haushalte