Lustwandelnde Frankfurter machten am ersten autofreien Sonntag eine neue Form von Umweltverschmutzung aus: Auf der Zeil, ihrer renommierten Einkaufsstraße, wurden Pferdeäpfel entdeckt. Eine Pferdestärke hat wieder Zukunft. Brauereien spannten stämmige Vierbeiner vor die Bierwagen, um die innerstädtische Versorgung vom Sprit unabhängig zu machen. Die Kommunisten des Ruhrgebiets mobilisierten sechs Pony- und eigene Stärken, um den vom nordrhein-westfälischen Innenminister Weyer verbotenen Autokorso doch noch durch Essen lenken zu können. In Neu-Ulm richtete der Wirt eines Ausflugslokals einen „Planwagen-Expreß“ ein. Selbst auf bayerischen Viehmärkten machte sich die neue Situation bereits bemerkbar: Die Pferdepreise zogen an.

rechtler Professor Hans Heiner Kühne. Auch den Damen vom Autostrich müßte seiner Meinung nach eine Sondergenehmigung erteilt werden, wenn sie sich auf Paragraph 2, Absatz 1, Ziffer 10 der Verordnung beriefen, die sonntags arbeitenden Freiberuflern die Benutzung des Autos erlaubt.

Ernste Folgen der verordneten Sparmaßnahmen für die Staatsfinanzen befürchtete die römische Zeitung „Tempo“. Früher Kinoschluß, frühes Fernsehende und somit frühes Zubettgehen, so prophezeite das Blatt, wird zu einem steigenden Anstieg der Geburtenziffern führen. Der Fiskus müsse fürs Kindergeld tief in die Tasche greifen. Einer kniffligen Rechtsfrage nahm sich letzten

Sonnabend die Europa-Welle Saar an. So hatten die Frankfurter und die Münchner Polizei den heimischen Dirnen – die ihrem Gewerbe im Auto nachkommen – eine Sondergenehmigung für den (auto)verkehrsfreien Sonntag versagt. Grund: Die Damen übten keinen von der Rechtsverordnung gebilligten Beruf aus. Dem widersprach in der fröhlichen Saarwelle der Saarbrückener Straf-Eine Engländerin mußte die Regierung um Hilfe bitten. Das Verbot des Handelsministeriums, daß Benzin nicht mehr in Kanistern abgegeben werden dürfe, traf nämlich Judy Allen besonders hart – sie ist Feuerschluckern. Sie sah ihr letzten Sonntag beginnendes Gastspiel in einem englischen Seebad wegen Benzinmangels gefährdet. Das Handelsministerium beruhigte: Die Verordnung sei nicht gegen Leute gerichtet, für deren Beruf der Konsum von Benzin Grundlage sei.