Von Tim Kröger

Formentera, das wollen wir doch mal feststellen, ist ohne Ibiza nicht zu ertragen. Aber andersherum wird erst recht ein Urlaub draus: ohne Formentera können sich Ibiza-Reisende gleich zur Nachkur anmelden.

Langsam: Wer unternehmungsfreudig genug ist, auch in den Ferien größere Trips zu riskieren, der wird zwischen den beiden Balearen zum regelmäßigen Pendler. Das ist so wie auf Sylt: Wer einen Nachmittag durch Kampens Kuchengarten flaniert und eine Nacht durch Westerlands Schunkelschuppen gestürmt ist, wird nach dem Katerkaffee einen unwiderstehlichen Drang zum Keitumer Watt verspüren. So ist das mit Ibiza und Formentera.

Daß die Fahrt zwischen den so ungleichen Inseln inzwischen alle Stunde organisiert wird, beklagen vor allem die Formentera-Veteranen. Ernesto, zerknitterter Lebenskünstler von lokaler Popularität, schimpft nicht nur in der Altstadt von Ibiza auf die „Massen, die jetzt Formentera „bescheißen“.

Freund Ernesto trifft mit dieser Fäkal-Philippika sogar den Nerv der kleinen Ibiza-Schwester: Wohin mit dem Unrat? Derartige Umweltprobleme waren vor fünf Jahren noch auf biologischem Wege gelöst worden. Ein vernünftiger Naturhaushalt sorgte für das Florieren der Fauna, und niemand verlangte nach einem WC.

Nun kann Formentera kaum noch den Ansturm bewältigen. Die 115 Quadratkilometer trockene Erde im Mittelmeer drohen unter der Last der Ferienindustrie röchelnd im Meer zu versinken. Was da in den letzten Jahren an Beton angeschleppt, an Mörtel angerührt, an Steinen geschichtet wurde, hält mühelos jeden Vergleich mit der Gestaltung von Trabantenstädten der Bundesrepublik aus.

„Es ist nicht fünf Minuten vor zwölf, es ist eine halbe Minute davor“, sagt Suza Ackermann. Wer Suza Ackermann ist? So kann nur fragen, wer noch nicht seinen Fuß auf Formentera gesetzt hat. Suza Ackermann ist die personifizierte Klagemauer dieser immer noch idyllischen Insel, sie ist, wie sie in aller Bescheidenheit sagt, die Besitzerin der „besten Galerie auf den Balearen“.