Kommt es in Großbritannien zu einem Winter der Entbehrungen, dann könnten die Briten dies nicht allein den unkontrollierbaren Ereignissen im Nahen Osten anlasten. Der Arbeitskonflikt im britischen Steinkohlenbergbau hat sich zu einer Konfrontation zwischen Regierung und Gewerkschaft entwickelt. Auf dem Spiel stehen:

  • die Glaubwürdigkeit der gesetzlichen Lohnkontrollen, einem Eckpfeiler der Anti-Inflationspolitik;
  • die Energieversorgung der Insel in einer Zeit sinkender Öleinfuhren als Folge des arabischen Boykotts.

Fünf Monate vor Ablauf ihres Tarifvertrages hatten 250 000 Bergarbeiter dem National Coal Board (NCB) ein Lohnangebot abgefordert. Das Kabinett Heath ließ den Staatskonzern gewähren in der Hoffnung, daß ein Lohnabschluß nach den Richtlinien der „Phase drei“ zustande kommt, der für andere Arbeitnehmergruppen ein Beispiel abgeben würde. Sie sollen sich mit den Lohnkontrollen der konservativen Regierung abfinden.

Die Richtlinien für Lohnabschlüsse sind wie auf die Bedingungen im Bergbau zugeschnitten – so dürfen bei Nachtarbeit erhebliche Zuschläge gezahlt werden. Das Ergebnis war entsprechend. Die Lohn- und Gehaltssumme der Kumpel sollte um dreizehn Prozent steigen. Andere Gruppen dürfen bestenfalls mit sieben bis acht Prozent rechnen.

Das Manöver gelang dennoch nicht. Unter dem Druck des militanten kommunistischen Flügels wies die Gewerkschaft die Offerte des NCB zurück. Ihnen war die Erhöhung der Ecklöhne zu gering, zudem sei das Paket insgesamt nicht gut genug, um die Abwanderung der Kumpel aus den Zechen aufzuhalten.

Die Gewerkschaft beantwortete das Angebot mit Kampfmaßnahmen, die sofort die Kohleförderung heftig trafen: sie boykottierten die Überstunden. Selbst Wartungs- und Reparaturarbeiten dürfen am Wochenende nicht durchgeführt werden. Ihre Taktik: erst die Vorräte erschöpfen, dann einen Streik beginnen. Vorbild ist dabei die Aktion vor zwei Jahren. Anfang 1972 führte Kohlemangel zu Stromsperren und Betriebsschließungen. Die Regierung willigte schließlich in die Forderungen ein. wk