"Der Honorarkonsul " – Graham Greenes neuer Roman

Von Rudolf Walter Leonhard

Graham Greene ist seit 41 Jahren, seit der Veröffentlichung von "The Stambul Train" ("Orientexpreß"), der bekannteste englische Romancier. Gewiß, andere kamen; aber sie verschwanden dann auch wieder auf diesem immer schneller sich drehenden Karussell literarischer Moden.

Er blieb. Er erwarb sich mit "Brighton Rock" (1938) den Ruf eines bedeutenden katholischen Schriftstellers, und spätestens mit dem Roman "Die Kraft und die Herrlichkeit" (1940) Weltruhm. Jetzt, im Alter von 69 Jahren, schrieb er, was kompetente Kritiker sein bestes Buch nennen

Graham Greene: "Der Honorarkonsul" ("The Graham Consul"), Roman, aus dem Englischen von Susanna Rademacher; Paul Zsolnay Verlag, Wien, 1973; 331 S., 26,– DM.

Zu den vier besten zähle auch ich diesen Roman – obwohl es etwas Mißliches hat, aus dreißig Werken vier herauszupicken. Die anderen drei wären: "Die Kraft und die Herrlichkeit" ("The Power and the Glory"), "Unser Mann in Havanna" ("Our Man in Havana") und "Der stille Amerikaner" ("The Quiet American"). Auf deutsch jedoch gilt der "Honorarkonsul" auch mir als Greenes bestes Buch; denn endlich einmal, zum erstenmal, hat Greene einen kongenialen Übersetzer gefunden.

Das ist wichtig. Bei Greene kommt es sehr auf die Form, auf die Sprache an. Mit seinen Inhalten hat er ja immer Schwierigkeiten gehabt. Den Agnostikern sind sie zu katholisch, den Katholiken zu agnostisch, den seriösen Literaten zu spannend, den Unterhaltungsbedürftigen zu anspruchsvoll, den Engländern zu exotisch, den Deutschen – ja, was wohl?