Die Schwäche des Fußballspiels auf der nur 18×21 cm großen Rasenfläche des neuesten Heyne-Taschenspiels liegt in der Abwehr. Sie ist kaum vorhanden! Der Wurm steckt wahrscheinlich in dem Würfel, der den Ball über das Feld und in das gegnerische Tor bringen soll. Mit ihm erreicht das, was sich in dem Spiel „Fußball Weltmeisterschaft“ entwickeln kann, kaum weltmeisterliches Niveau. Die sechzehn Personen, von denen die Spielregel spricht, kommen garanwert ganz fürchterlich ins Gähnen.

Mit vier neuen Titeln beschließt Heyne das erste Jahr seiner recht erfolgreichen Taschenspielreihe: Grund genug, genauer hinzuschauen. Ein Anliegen scheint es Heyne zu sein, den Sprach- und Wortschatz der Bundesbürger spielend zu erweitern. War „Wort-Wexel“ schon ein Erfolg, so wird „Combinato“ dem jetzt kaum nachstehen. Jeder Spieler legt ein Code-Wort fest, das dann jeweils von dem anderen Partner ermittelt werden muß. Dazu werden ganz einfache Probeworte ausgelegt, man bekommt bestätigt (oder auch nicht!), der eine oder andere Buchstabe ist bereits eingesetzt, vielleicht sogar an der richtigen Stelle. Das Ganze kann man auch mit Zahlen durchspielen.

Wer Abwechslung liebt, dem sei „Wordl“ empfohlen, sozusagen als 3. Programm. Hier nämlich können an Hand der Würfel auch Wörter mit fünf Buchstaben gebildet werden. Der Titel hat mich zunächst etwas irritiert. Inzwischen bin ich aber überzeugt, daß er bayrisch ausgesprochen wird. So viele Variationen, wie hier aus dem guten alten „Letra-Mix“ herausgekritzelt werden, können nur einem barocken bayrischen Hirn entstammen.

Bei beiden Spielen vermisse ich sehr den schönen puzzleartigen Brettaufbau früherer Taschenspiele. Und noch etwas: Warum werden für die Spielsteine nicht Tütchen mit Druckleistenverschluß mitgeliefert? Sie wären darin entschieden besser aufgehoben.

Dankbar vermerkt sei dagegen, daß die Farbgebung ganz allgemein erträglicher geworden ist. Daß man hier noch in der Entwicklung steht, sieht man deutlich an dem Super-Taschen-Puzzle „Single“. Das äußere Cover stimmt fröhlich, die Farben sind frisch – nur noch der Spielplan stumpft mit seiner violetten Farbe gegen das Rot und Weiß der Spielplättchen an.

„Single“ kann auf jeden Fall dem Einsiedler empfohlen werden, soweit er den Nerv dazu hat. Die Empfehlung, das Spiel auf einer Eisenbahnfahrt zu beginnen, gebe ich allerdings mit Vorbehalt weiter. Auf der Fahrt zur Buchmesse habe ich mich darauf eingelassen. In Frankfurts Hauptbahnhof konnte ich mich dann nur mit Mühe dazu durchringen, aus dem Zug zu steigen, weil alles darauf hindeutete, daß mir endlich die Variante b gelingen würde Nun muß ich es irgendwann noch einmal versuchen. Bernward Thole

Fußball Weltmeisterschaft (aus der Reihe „Taschenspiele“), 6,80 DM; Combinato, 7,80 DM; World, 7,80 DM; Single, 4,80 DM; alle Heyne Verlag, München.