Von Ronald Granz

Der Staat gibt in jedem Jahr Milliarden für Neuanschaffungen aus; er kauft Panzer für seine Soldaten, Schreibtische für seine Beamten und Motorräder für seine Polizisten. Gleichzeitig nimmt er auch Millionen ein, denn er verkauft alte Sachen, die er nicht mehr gebrauchen kann, alte Panzer, alte Schreibtische, alte Motorräder.

Tausende von Gegenständen lassen die Behörden von Bund, Ländern und Städten in jedem Jahr versteigern oder in Zeitungen ausschreiben; Gegenstände, die veraltet sind, aber noch nicht auf den Müll gehören. Ein Bundesland wie Hamburg beispielsweise verkaufte im vergangenen Jahr rund 600 Kraftfahrzeuge, darunter Müllwagen, Personenwagen und Polizeiboote, aber auch Hafenkräne und alte Zahnarztstühle.

Die Hansestadt erzielte durch den Verkauf von ausrangiertem Staatsgut im letzten Jahr rund fünf Millionen Mark. Beim Bund betrug der Erlös sogar 135 Millionen Mark.

Zu den Firmen, die Staatsgut an den Mann bringen, gehört die bundeseigene Verwertungsfirma Vebeg. Die Frankfurter Firma, die mehrmals wöchentlich im Bundesausschreibungsblatt im Auftrag von Behörden Waren ausschreibt, setzte 1972 Güter für 50 Millionen Mark um.

Das Angebot ist umfassend. Stets mit dem Hinweis versehen, wo man die Waren besichtigen kann, bot die Firma Ende Oktober in dem Ausschreibungsblatt beispielsweise an: „2 Schlauchbootkörper (2–3 Mann); 101 Paar Luftlandestiefel; 20 t Altmaterial aus beschossenen Treibladungshülsen, Kai. 127 mm; 1 Brotschneidemaschine Modell „Standard“; 1 Vielstoff-Lokomotive, „KHD“, Baujahr 1962 (wenig gebraucht, gut erhalten)...“ –

Nicht selten manchen die Käufer solcher Waren beträchtliche Gewinne. Für den Konstanzer Maschinenhändler Siegesmund Nissenbaum beispielsweise erwies. sich die Ersteigerung einer alten Mercedes-Staatskarosse, in der schon Adenauer und Kiesinger gefahren waren, als ein gutes Geschäft. Er hatte 1971 bei der Vebeg 15 000 Mark dafür bezahlt. Heute bieten ihm Amerikaner über 100 000 Mark für den Wagen.