Den Hebel und das Gesetz des Auftriebs – Heureka! – hatte der altgriechische Physiker und Mathematiker Archimedes ausgeklügelt und mit einem Spiegel-Coup Einzug in die Kriegsgeschichte gehalten. Um das Jahr 214 vor Christi belagerten die Römer von der See her Syrakus auf der süditalienischen Insel Ortygia, um die über 450 Jahre alte griechische Kolonie zu besetzen. Doch viele der römischen Marineboote gingen in Flammen auf, ehe sie überhaupt die Leinen fest machen konnten.

Hunderte von griechischen Verteidigern hatte Archimedes so geschickt aufgestellt, daß ihre erhobenen Schilde wie riesige Spiegel wirkten, die das Sonnenlicht in einem Punkt zusammenführten – die römischen Boote, gefertigt aus Zedernholz und mit Teerfarbe gegen das Wasser abgedichtet, fingen Feuer.

Der Coup mit den Sonnenstrahlen wurde geschichtskundig. Doch weil römische Historiker, wie Plutarch, erst zwei Jahrhunderte später die Feuerniederlage der römischen Marine niederschrieben, wurden Einzelheiten der Verteidigungslist des Archimedes nicht überliefert. Geschichtsforscher stuften daher Roms flammende Seeniederlage in den Bereich der Sage ein.

Über 2000 Jahre später wies nun ein moderner Nachkomme des Archimedes nach, daß es durchaus so hätte sein können. Anfang dieses Monats postierte der griechische Elektroingenieur und Sonnenenergie-Experte Ioannis Sakkas 70 Soldaten auf der Mole des griechischen Marinehafens Skaramanga in der Nähe Athens. Jeder Mariner trug einen rechteckigen Flachspiegel (Größe: 91 mal 150 Zentimeter). Im Hafenbecken lag knapp 50 Meter entfernt ein mit Pech gefülltes Ruderboot. Auf Sakkas Kommando hin erhoben die 70 Hellenen ihre schildähnlichen Spiegel, die mit einer hauchdünnen Kupferschicht versehen waren – mit einem Material, das zu Archimedes’ Zeiten bekannt war. Die Spiegel-Soldaten suchten – assistiert von 30 weiteren Hellenen, die Sonnenstrahlen so einzufangen, daß der Brennpunkt des Spiegels genau im dümpelnden Holzboot lag.

Als die 70 Reflektoren ausgerichtet waren, vergingen knapp drei Sekunden, dann qualmte es zunächst, und wenig später stand das Sperrholzboot in Flammen.

Für den Archimedes-Nachfahren Sakkas besteht nun kein Zweifel mehr, daß Hellas’ größter Physiker die Spiegel-Idee vor Syrakus in die Tat umsetzen ließ. Überdies bestätigte sein Versuch, meint Sakkas, daß Archimedes nicht festinstallierte, drehbare Spiegel auf der Hafenmauer errichten ließ, wie einige Historiker überlieferten, sondern der mobilen Lösung mit schildtragenden Verteidigern den Vorzug gegeben habe. Technisch wären große Starrspiegel seinerzeit ohnehin nicht möglich gewesen. Überdies so blind und dumm wären die Römer wohl auch nicht gewesen, angesichts der blitzenden Hafenmauer in die Brandfalle zu gehen. kk