Die zerlumpten Chicos (Kinder) auf der Plaza haben aufgehört zu kreiseln (dreimal muß der Kreisel vom Boden auf die hohle Hand und zurück tanzen) und starren mit angehaltenem Atem. Erdfarbene Gestalten, die in zerschlissenen Ponchos unter zerbeulten Hutkrempen an Lehmmauern hocken, stocken im Cocakauen und speicheln ein bißchen Grün das Kinn herunter. Die kleine, barfüßige Mama im unförmigen Rock mit drei Unterröcken verliert verdutzt die Spindel aus der Hand, selbst das Baby an ihrer bloßen Brust hört erschreckt zu saugen auf. – Mitten auf der Plaza steht ein Fremder wie von einem anderen Stern.

Erster Tag in Vinchos. Habe Quartier gefunden beim Señor Postmeister Elias Uamani im stockdunklen Rohbau des Amts, der seit zwei Jahren vor sich hin bröckelt. Zu ebener Erde auf gestampftem Lehmboden der Tisch mit Telephon, Batterie und vergilbten, staubigen Telegrammformularen. Ich schlafe, eine Hühnerleiter höher, auf einem Schaffell, und Sierrawind bläst durchs Fensterloch.

Habe zwei Furchen gepflügt mit dem Ochsengespann und Pflugbalken, die Erde ist ausgedörrt und steinhart.

Nachmittags habe ich auf einem Geburtstag mit tanzwütigen, zigarettenschnorrenden alten Weibern getanzt (36 Jahre, aber zerfurcht wie Greisinnen) im stampfenden Rhythmus und mit versagendem Atem auf knapp 4000 Metern. Chicha und Bier flossen in Strömen. Du füllst dein Glas, gibst die Flasche oder den Krug an den Nebenmann, kippst das Gesöff schnell hinab, schüttest den Rest auf den Lehmboden, gibst nun das Glas weiter, sagst „salud“, und so im Kreis, bis alle schwankend und lallend und wild sich verbrüdernd glücklich sind. Dazwischen wird an verstorbene Verwandte gedacht, ich habe mitgeheult. So schlägt das große „Corazon“, das Herz von Peru.

Am nächsten Vormittag sind drei Hochzeiten in Vinchos. Ich wünsche langes glückliches Zusammenleben und trinke aus dem Blechnapf Chicha, im Kreis mit den anderen. Das Eheleben wird den kleinen hübschen Frauen nicht viel mehr bescheren, als unterbrechungslos Kinder auf dem Rücken zu schleppen und coca- oder chichaberauschte Männer hinter sich herzuzerren.

Dann Vorbereitung für die große Fiesta von Vinchos. Frauen tragen Stellagen, die mit weißen Wachsblumen und Kerzen gespickt sind, zum Marienbild in die Kirche.

Abends ist Messe. Der Pater schimpft, daß er nicht genug Geld und nur trockenen Mais bekommt. Die Frauen singen in hohem, klagendem Diskant. Nachts tanzen, singen und saufen viele neben der Postmeisterei. Von den Bergen kommen die ganze Nacht Rufe der Stierhörner in Formeln, die sich immer wiederholen.