Daß unsere Mädchen und Jungen sich in den Schulen mühsam die Berechtigung zum Hochschulstudium erwerben – und dann doch nicht studieren können, weil die Universitäten überfüllt sind: das ist erstens eine Ungerechtigkeit und zweitens eine Verschwendung potentieller Begabungen.

Eines Tages mögen bei Hochschulplätzen Angebot und Nachfrage sich vernünftig einpegeln: wenn nämlich – wie es die Entwicklung in Schweden und in Amerika zeigt – vom Studium alle diejenigen abgeschreckt werden, die sich davon nichts anderes als bessere Bezahlung oder höheres Prestige versprechen.

Es wäre daher ebenso unverantwortlich, dem ohnehin überlasteten Staatshaushalt die Kosten für immer mehr und mehr Universitätsneubauten und Dozentenstellen zuzumuten, wie darauf zu hoffen, daß eines Tages sich schon alles von selber regeln wird.

Die Offene Universität nach englischem Vorbild wäre der denkbar beste Ausweg aus dem Dilemma. Ob wir ihre Tendenz, die vor allem auf Erwachsenenbildung gerichtet war, mit übernehmen, kann später diskutiert werden. Es ist am Ende ebensowenig einzusehen, warum die grandiosen Möglichkeiten des Fernunterrichts auf höchstem akademischen Niveau, die uns die weitentwickelte Kommunikationstechnik an die Hand gibt, nur den 18- bis 21jährigen zugute kommen sollen, wie, warum sie gerade ihnen (wie das zunächst in England geschah) vorenthalten werden sollen. In jedem Fall bleibt das Organisationsprinzip, auf das es ankommt, das gleiche.

Der größte Wert des englischen Vorbildes liegt dabei darin, daß es die Leute zum Schweigen bringen muß, die bei allem Unkonventionellen sofort eine Fülle von Begründungen dafür parat haben, warum das "gar nicht geht". Es geht! Die Engländer haben es bewiesen. (Siehe Seite 20.)

Außerdem ließe sich viel Organisatorisches aus England übernehmen, so wie es die Amerikaner offenbar übernommen haben. Dort soll es inzwischen bereits drei Offene Universitäten geben: Rutgers, Maryland und Houston.

Auch aus den Fehlern, die in England gemacht wurden, ließe sich lernen. Es hat sich dort erwiesen: daß eine solche Universität sich nicht ausschließlich auf das Fernsehen stützen kann; daß der Anteil des Fernsehens jedoch auch nicht so weit zurückzugehen braucht, wie er jetzt in England zurückgegangen ist, weil er sich als teurer erwiesen hat, als eingeplant war; daß die Gefahr bürokratischer Wucherungen, die hierzulande besonders groß ist, gar nicht früh genug erkannt und energisch genug gebremst werden kann.