Ein guter Freund von mir war im Hotel Drouot, dem weltbekannten Versteigerungslokal von Paris, als dort vor kurzem der Auktionator Paul Renaud einen Rasierpinsel aus dem Besitz Adolf Hitlers hochhob und ausrief: „Wer bietet mehr?“ Der Meistbietende erhielt den Zuschlag: 1600 Francs.

Der Glückliche! Er hat jetzt das Instrument, um zu tun, was der große deutsche Führer tat: einseifen. Oder er kann das Ding in den Glasschrank stellen und seine Freunde fragen: „Ratet mal, was ich hier hab’! Hitlers Pinsel! Und was habt ihr?“

2000 Francs erzielte bei derselben Versteigerung ein Reisenecessaire, das angeblich Eva Braun gehört hatte. Aber da war mein Freund skeptisch, und zwar waren es die eingravierten Initialen „E. H.“, die ihn stutzig machten. Er meinte: „Als Eva Braun den Namen Hitler erhielt, war im Bunker der Reichskanzlei doch wohl auch keine Gelegenheit zu verreisen und wohl auch keine Zeit, ein B in ein H umzuarbeiten. Also wird es sich hier wohl um eine Fälschung handeln.“

Echt aber war ein Zigarrenstummel, garantiert durch vier Polizeioffiziere. Und dennoch: Als das weiße Elfenbeinhämmerchen zu Ehren des braunen Stummels niederfiel, hielt das Angebot nur bei 600 Francs.

„Was sind das bloß für Leute?“ so fragte ich meinen Freund, „die so etwas kaufen und denen ein Hitler-Pinsel wertvoller ist als ein Churchill-Stummel?“

Der gute Freund tappte da leider auch im dunkeln. Er sagte aber, daß sein Nebenmann bis zu einem gewissen Moment sehr freundlich und unterhaltsam gewesen sei, so daß er ihm erzählt habe, wie er auf dem Speicher des Landhauses seiner väterlichen Vorfahren unter allerlei Plunder eine alte Bibel gefunden habe.

„Eine alte Bibel?“