In der „Lach & Schießgesellschaft“ sind die Lichter ausgegangen. Das Kabarettpublikum, daran gewöhnt zu klatschen, wenn es finster wird, reagierte nicht. Dieter Hildebrandt macht „Klamödie“ – erst jetzt? Das „Kom(m)ödchen“ hält mühsam die teuer ausgangen. Stellung. Kabarettist Willy Millowitsch ist mit „Hei-Wi-Tip-Top“ baden gegangen. Die „Stachelschweine“ sind zwar etwas schlechter als Millowitsch, dafür aber in Berlin. Und sie haben Neuss. Wer eine Reise gemacht hat, kommt an; Neuss hat eine lange Reise gemacht. Alles das kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß für das deutschsprachige Kabarett der Zug schon längst abgefahren ist.

Wir haben uns in Düsseldorf umgesehen. Da die Münchner das Handtuch geworfen und die Berliner Entertainer noch gar nichts gemerkt haben, sind die Leute, vom „Kom(m)ödchen“ am interessantesten. Denn sie haben was gemerkt und möchten jetzt gern wissen, was. Engagierte Kleinkünstler wie eh und je, planen sie für ihr nächstes (selbstkritisches) Programm „Als sie Scheiße kaufen lernten“ eine harte Nummer (Lore Lorentz im Mantel!), die sich mit der Krise des deutschen Kabaretts beschäftigt. „Kampf gegen Personen ist sinnlos, wir müssen die Institutionen angreifen, und eine Institution ist auch das etablierte Fernsehkabarett“, sagte uns Lore Lorentz (Rock und Pulli). Diese Nummer ist bereits geschrieben, aber Kay hält sie für „formal nicht gelungen“.

wir wollten sie kaufen. Es war nicht leicht. Erst als wir Kay versprachen, einen Autor zu besorgen, der Lore das große deutsche Emanzipations-Chanson „Eine Frau ist eine Frau“ auf den Leib (im Kaminkleid) schreibt, erst dann ging er an den Panzerschrank. Wir hatten es wieder einmal geschafft. Zuerst verlangte er einen Preis, der offensichtlich das Laufen gelernt hatte. Als wir aber noch einmal mit dem Chanson winkten, gab er uns sogar noch 50 Mark heraus, mit welcher Summe wir hiermit den Wanderpokal zur Förderung der „systemüberwindenden Kabarettkritik“ stiften.

Wir drucken die harte Nummer in Auszügen ab. Wir betonen, daß es zwar um die Kabarettkrise geht, diese aber – wie kann es anders sein – nach der Art des Hauses, also des Kabaretts, abgehandelt wird, es von außen also ein bißchen nach Münchhausen aussieht, der sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht. „Kein Wunder! Wieso? Na, bei dem Zopf!“ (Auszug aus einem Monolog von Lore Lorentz – Maxirock und Poncho).

Leise kriselt der Schmäh

Lore Lorentz (im Mantel, ein Fernglas an den Augen).

1. Mann (tritt neben sie): Was machen Sie da?