Schwierige Suche nach einer Marschroute für die Genfer Friedenskonferenz

Von Gerhard Konzelmann

Algier, im November

Die Entscheidungen fallen bei dieser Konferenz nicht im Sitzungssaal. Noch ehe alle Könige und Präsidenten sich treffen, haben die drei Staatsmänner, auf die es ankommt – Sadat, Assad, König Feisal – die arabische Politik bereits festgelegt. Ihre gemeinsame Basis ist ganz einfach: Israel soll die besetzten Gebiete räumen.

In Bungalows, in Ferienhäusern, die im Sommer dem Tourismus dienen, wohnen die Staatschefs. König Feisal von Saudi-Arabien ist in Haus 107 eingezogen, wo die meisten der Gespräche vor Konferenzbeginn stattfinden. Zu Fuß kommt Hafes Assad, der syrische Präsident, inmitten seiner Delegation, die Straße herunter von Bungalow 116. Vor dem Haus trifft er mit dem ägyptischen Staatschef Anwar el-Sadat zusammen. Die Präsidenten küssen und umarmen sich; Assad strahlt, als hätte er den Krieg siegreich beendet. Arm in Arm mit Sadat betritt er den Bungalow des Königs. Die Republikaner treffen den Monarchen.

König Feisal ist krank nach Algier gekommen. Seine Magenbeschwerden haben sich so verschlimmert, daß er sich nur mit Anstrengung aufrecht halten kann. Die Krankheit verhärtet seinen Standpunkt, er nimmt keine Rücksicht mehr – auch nicht auf seine früheren Freunde, die Amerikaner. Der König will einen Platz in der Geschichte Arabiens. Sein Ölkrieg soll die besetzten Gebiete den Arabern zurückbringen. Auf dem Umweg über das Ölembargo gegen die Vereinigten Staaten will er Israel zum Nachgeben zwingen. Er will zu Ende bringen, was Sadat mit Waffen begonnen hat. Bei der Ankunft in Algier sagte der König: „Mit Allahs Hilfe werden wir den zionistischen Feind besiegen.“ Feisal kennt nur den einen Gedanken: Jerusalem. Der Platz, von dem aus der Prophet zum Himmel aufgestiegen ist, um das Paradies zu sehen, darf nicht unter israelischer Kontrolle bleiben.

Hauptwunsch: Jerusalem