Von Eckart Kleßmann

Die Uniform kommt wieder in Mode, nicht nur im „Military Look“, auch im Buch. Noch vor zehn Jahren war es für einen deutschen Verlag nicht ohne Risiko, sich dieser Sparte der Kostümkunde zu nähern. Schließlich riskierte es die Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1963 mit Paul Martins „Buntem Rock“, und siehe da: Der in drei Sprachen gedruckte Band (der ausländische Markt war also von vornherein mit einbezogen worden) mit seinen schön reproduzierten Farbtafeln wurde ein Erfolg und war nach kurzer Zeit vergriffen.

Jetzt bringt Franckh wieder ein umfangreiches Opus auf den Markt –

John Mollo: „Die bunte Welt der Uniform, 250 Jahre militärischer Tracht, 17.–20. Jahrhundert“, aus dem Englischen von Stephan M. Scheuerl und Hans-Joachim Ullrich; Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1973; 234 S., 146 farb. Abb., 95,– DM.

Der britische Uniformexperte weicht in seinem Buch insofern von seinem Vorgänger ab, als er kaum alte Bilder zur Illustration, heranzieht, sondern seinen Text mit Farbfotos von Original-Uniformen und Ausstattungsstücken illustriert. Das hat zwar den Vorteil, daß man jetzt die Waffenröcke plastisch und detailgetreu sehen kann, hat aber auch erhebliche Nachteile. Denn – erstens – ist man auf die recht willkürliche Auswahl angewiesen, die bis heute überliefert worden ist, zum zweiten ist es selten die komplette Montur, und – drittens – sind die ursprünglichen Farben durch die Zeitläufte nicht eben frischer geworden. Eine ausgewogene Ergänzung durch zeitgenössische Darstellungen auf Kosten mancher Museumsstücke wäre besser gewesen, besonders für die Betrachter, die nicht Martins Buch zusätzlich heranziehen können.

Vorzüglich ist der Text. Wie fast alle britischen Fachleute, kann auch Mollo lebendig schreiben. Daß er sich gelegentlich von der Fülle des Stoffs mitreißen läßt und etwa Waffentechniken ausführlicher beschreibt, als es hier notwendig gewesen wäre, verzeiht man ihm. Dafür weiß er kostümgeschichtliche Details, die man in vergleichbaren Büchern nicht findet. So etwa, daß die sowjetische Armee bis 1924 eine Uniform trug (mit der charakteristischen Spitzmütze), die der letzte Zar aus romantisch-restaurativen Gründen 1913 hatte entwerfen lassen, um altrussische Traditionselemente stärker hervorzuheben. Mit der NS-Uniformierung tut sich Mollo schwer. Die „nazifizierte österreichische Armee“ bekam 1938 nicht „den Waffenrock nach deutschem Muster‘, sondern schlicht die Uniform der deutschen Wehrmacht. Und die schwarze Uniform mit Totenkopfemblem plagiierten die SS (aber nur die SS-Totenkopfverbände, nicht die Waffen-SS) – und die deutschen Panzertruppen der Hitlerzeit – wohl kaum nach Vorbildern der „Weißen Armee“ aus dem russischen Bürgerkrieg; hier war zweifellos das Grundmuster die seit Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführte schwarze Uniform der preußischen Totenkopfhusaren.

Das Mappenwerk „Soldaten im bunten Rock“ ist jetzt bei seiner vierten Folge angelangt –