Die Untat des Hausbesitzers Wheen aus. Derby erhielt in Presse, Funk und Fernsehen große Publizität. Mr. Wheen hatte im Keller ein Faß mit 180 Litern Benzin versteckt, 165 Liter mehr, als das Gesetz erlaubt, und nach der Anklage des Staatsanwalts damit das Leben seiner Mieter und Nachbarn in Gefahr gebracht. Das Gericht zeigte kein Verständnis für diese Aktion Eichhörnchen, brummte dem Sünder die Höchststraße von 100 Pfund (620 Mark) auf und zog das Benzinfaß ein.

Die bisher abschreckendste Strafe verhängte ein Londoner Amtsrichter: Er schickte einen Mann für sechs Wochen ins Gefängnis, weil er ein paar Liter Benzin aus dem Tank eines parkenden Autos abgezapft hatte. Eine exemplarische Bestrafung hielt Richter Harington in der Zeit der Energiekrise für angebracht.

Aber die britische Öffentlichkeit erfährt auch von beispielhaftem Verhalten. So ließ Prinz Philip seinen kraftstofffressenden Rolls-Royce im Palast und ließ sich in einem wirtschaftlicheren Vauxhall Victor zur Eröffnung einer neuen Sportanlage chauffieren. Umweltminister Geoffrey Rippon gelang gar ein Doppeltrick. Er stieg, nachdem die Photoreporter angetreten waren, zur Fahrt nach Downing Street in einen von der Energie elektrischer Batterien angetriebenen Mini.

Bisher haben die Briten allerdings im Alltag noch, keine dramatischen Auswirkungen der Ölkrise erlebt, sondern vor allem Warnungen gehört. Sie kamen insbesondere aus der Ölindustrie, während die Regierung lange die Lage herunterspielte. Die Ausrufung des Notstandes wurde mit politischen Erwägungen und den streikähnlichen Aktionen der Bergleute begründet. Aber schließlich sah sie sich doch zu einer Beschränkung des Ölverbrauchs gezwungen. Sie wies die Ölgesellschaften an, die Lieferung von Ölprodukten an ihre Kunden um zehn Prozent gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres zu kürzen. Die dadurch entstandene Versorgungslücke wird von der Industrie allerdings auf mindestens dreizehn Prozent veranschlagt, da im Vergleich zum Vorjahr das Produktionsvolumen höher liegt.

Großbritannien erfreut sich zwar einer Vorzugsbehandlung durch Saudi-Arabien, aber die Regierung hegt den Verdacht, daß die Konzerne Öl aus nichtarabischen Quellen, das eigentlich für Großbritannien bestimmt war, in andere Länder umleiten, die entweder keine Vorzugsstellung genießen oder dem Ölembargo unterliegen. Die internationalen Ölgesellschaften bestreiten dies allerdings.

Die Autofahrer sind bisher glimpflich davongekommen. Die Regierung begnügte sich mit einem Appell an die Nation, das Auto am Wochenende zu Hause zu lassen, Fahrten am Sonntag auf das wirklich unvermeidliche Maß zu beschränken und nicht schneller als 80 Kilometer in der Stunde zu fahren. Der Straßenverkehr am letzten Sonntag war etwas schwächer als üblich. Die Regierung zögert, den schwerfälligen Apparat einer Rationierung in Bewegung zu setzen. Für den Ernstfall liegen die Bezugscheine jedoch seit langem parat.

Wilfried Kratz