Von Malte Dahrendorf

Der Basis-Verlag macht seit drei Jahren, „linke“ Kinderbücher, in erster Linie für Kinderläden, experimentiert mit neuen kollektiven Produktionsweisen und wertet für Neuauflagen Rückmeldungen der Leser aus. Er knüpft bewußt an die Tradition des „proletarischen Kinderbuches“ an und spricht sein Publikum erst in zweiter Linie in seiner „Kinderrolle“, primär aber in seiner Klassensituation an.

Die neuere Entwicklung des Verlags deutet auf den Versuch hin, das abenteuerliche Moment mit Gesellschaftskritik aus marxistischer Sicht zu verbinden, um dem legitimen Bedürfnis der Kinder nach Spannung und Handlungsphantasie entgegenzukommen und der Forderung Friedrich Hitzers zu entsprechen: Warum sollen wir die Kolportage der Reaktion überlassen? Dies tritt noch am wenigsten hervor in

Mats Andersson/Erik Eriksson: „Hier ist Nordvietnam“, aus dem Schwedischen von D. Jacobi und I. Schwarz; Basis-Verlag, Berlin, 1973; 37 S., 4,50 DM.

Hier wird über das Leben der Nordvietnamesen unter den Bedingungen des Krieges berichtet. Auf je einer Doppelseite erscheinen in Bild und referierendem Wort Szenen, die dem Leser vor allem das Kollektivschicksal und kollektives Arbeiten und Handeln der Vietnamesen vorführen. Die Bilder erinnern manchmal an sozialistischen Bildrealismus mit seiner Mischung aus Photographik und Pathos. Das Übermaß an positiver Haltung erdrückt ein wenig: Die Vietnamesen erfüllen ihre Pflicht, sind arbeitsam, lernwillig und denken ausschließlich an die Gesamtheit. Da über Gründe kaum reflektiert wird, erscheinen die Amerikaner schlicht als Inkarnation des Bösen. Man kann durchaus leidenschaftlicher Gegner des amerikanischen Einsatzes in Vietnam sein, ohne deshalb Zuflucht zu einem derart schlichten Weltbild zu nehmen.

Auch das Buch von

Sven Wernström: „Der Schatz im Dorf der Armen“, aus dem Schwedischen von D. Jacobi und I. Schwarz; Basis-Verlag, Berlin, 1973; 251 S., 7,80 DM