Es ist fast ein politisches Wunder: Nordirland hat eine Koalitionsregierung. Unter dem Druck der Londoner Ungeduld haben sich jahrzehntealte Gegner zusammengefunden. Weder Mehrheitsprotestanten noch Minderheitskatholiken versprechen sich etwas von den andernfalls drohenden Neuwahlen. Das in Ulster jetzt praktizierte Verhältniswahlrecht müßte die Sektierer und Extremisten an beiden Flügeln begünstigen.

Ein Drittel der Abgeordneten steht freilich gegen die Koalition. Selbst in Brian Faulkners Unionspartei, die die Mehrheit der Kabinettsposten erhält, ist die Zustimmung zur „Diktatlösung“ hauchdünn. Und die Extremisten links und rechts haben bereits den Kampf gegen das Experiment angekündigt. Und in der Tat: Ein Experiment ist es. Den wichtigen Bereich der Sicherheit hat sich die britische Zentrale vorbehalten. Die Koalition kann ferner erst wirksam werden, wenn es zu einer Übereinkunft zwischen London, Dublin und Belfast über den gesamtirischen Rat kommt. Auch über der dann amtierenden Administration wird ständig das Recht des Eingriffs der Briten schweben, die über die Spielregeln wachen.

Noch bewegt sich Ulster auf unsicherem Gelände, noch sind die Demagogen nicht verstummt. Aber die Sehnsucht nach Ruhe, gepäppelt durch massive Wiederaufbauhilfen aus London, könnte das Wunder möglich machen. E. Z.