ARD, Sonntag, 25. November: „Ästhetik in der Alltagswelt“, von Bazon Brock

Einen Auftritt von Bazon Brock zu erleben, ist immer ein geteiltes Vergnügen: Warum, so fragt sich das andere Ich, ist so ein hübscher Mensch und fließend flotter. Redner nicht Showmaster geworden oder Conférencier? Aber, da hilft nun kein Hadern, Bazon Brock ist Professor, für Ästhetik und so. „Erst aufbauen, dann ändern“, hieß der pädagogisch aufbauende Untertitel seiner Sendung,-die im übrigen auch noch ein „beiläufiger Hinweis“ genannt wurde. Man sieht: Professor Brock ist ein Lehrer von der lockeren Webart. Als solcher setzte er sich zu Beginn der Sendung auf ein imitiertes Kapitellchen, popelte in der Nase und erklärte dazu, daß diese Tätigkeit nicht, wie der Volksmund so meint, mit der Ästhetik kollidiere, sondern vielmehr eine Frage der Kosmetik sei (wie wär’s mit der Hygiene?).

Wer aber glaubte, jetzt erleichtert in der eigenen Nase bohren zu können und sich dadurch noch aufnahmebereiter zu machen für die Ausführungen von Professor Brock, der hatte sich umsonst bemüht. Denn Bazon Brock, so stellte sich heraus, hatte nicht einen Film konzipiert, ein Thema bebildert, er hattean einer Tagung des IDZ teilgenommen (daß es sich dabei um das Internationale Design Zentrum in Berlin handelt und was dieses Institut ist und bezweckt, hatte er zu erklären nicht nötig), und nun bat er viele Kapazitäten ums erläuternde Wort (daß es welche waren, durfte der Zuschauer erahnen), schrieb selber allerlei Gelehrtes mit quietschendem Filzstift an die Tafel, gab sich dann wieder volkstümlich, indem er zeigte, wie man aus einer alten schwarzen Leinwand Rembrandts „Mann mit dem Goldhelm“ hervorputzen kann (hatte wiederum nicht nötig zu sagen, ob dieses Bild so entdeckt wurde) und führte schließlich drei „exemplarisch eingerichtete“ Wohnungen vor.

An diesen Wohnungen nun (Unterschicht, Mittelschicht, Oberschicht) sollte sich die Quintessenz des beiläufigen Hinweises von Professor Brock materialisieren: daß Gegenstände etwas aussagen über die Menschen, die mit ihnen leben, daß wir deshalb die Gegenstände unserer Umgebung mit den Augen eines Kunsthistorikers betrachten, daß wir die Gegenwart so anschauen müßten, als sei sie Vergangenheit. Pompeji spielen kann man überall, mit dieser frohen Kunde verabschiedete sich Professor Brock vom Fernsehzuschauer. Dieser hatte, kräftig verwirrt durch das heillose Durcheinander der Thesen und Themen, immerhin eins begriffen: In der Nase zu bohren ist nicht unästhetisch. Aber wer, wenn Brock bohrt, hätte das denn je behauptet? Petra Kipphoff