Weitgehendes Einvernehmen kennzeichnete die zweitägige Konferenz zwischen Staatspräsident Pompidou und Bundeskanzler Brandt am Montag und Dienstag in Paris. Es war das dritte Arbeitstreffen in die sem Jahr.

Nach Mitteilung der Regierungssprecher erstreckte sich die Übereinstimmung auf die Solidarität in Energiefragen ebenso wie auf die Ansichten über die nächsten Schritte beim Aufbau Europas.

Nach Meinung beider Regierungen soll die Erschließung neuer Energiequellen, auch der Atomenergie, geographisch- und technologisch intensiviert werden. Der Bonner Regierungssprecher Grünewald fügte hinzu, über einen möglichen Energieausgleich auf dem Ölsektor zwischen den Ländern der Gemeinschaft sei in der gegenwärtigen Lage eher Diskretion angezeigt. Bundeskanzler Brandt fand die französische Zustimmung zu dem Plan, daß der EG-Ministerrat ein Informations- und Konsultativsystem für Krisenfälle installiert, damit die Gemeinschaft in solchen Situationen schnell und gemeinschaftlich reagieren kann.

Im Zusammenhang mit der Diskussion über die zweite Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion stimmten Pompidou und Brandt darin überein, daß die Grundsätze der bisherigen Agrarpolitik auch bei einer Reform beibehalten werden sollen und daß ein Regionalfonds zur europäischen Strukturpolitik einzurichten sei. Nach Auffassung beider Seiten soll er aber zunächst eine geringere Summe umfassen als die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen acht Milliarden Mark.

In den Konsultationen wurden Mißverständnisse über die Erörterung von Sicherheitsfragen außerhalb der Nato ausgeräumt. In der Vorwoche hatte Verteidigungsminister Jobert in einer Rede die Westeuropäische Union als nützlichen Rahmen für die Planung einer europaeigenen Verteidigung bezeichnet, im Gegensatz zu seinem Bonner Kollegen Leber, und damit Aufsehen erregt. Brandt stellte jetzt klar, daß die Bundesrepublik ihre Mitarbeit in der Europa-Gruppe der Nato nicht aufgeben, aber die WEU als Diskussionsforum akzeptieren werde.