Von Rosemary Callmann

Münster

Eine Mitteilung im Parlamentarisch-Politischen Pressedienst (PPP), eine Anzeige in der Bild-Zeitung und der Anfangszeilen des Fortsetzungsromans „Die Camerons“ in der Ausgabe 46 der Illustrierten stern brachten die James Bonds der bundesdeutschen Presse auf die Spur: Der Regierungspräsident von Münster, Dr. Egbert Möcklinghoff, wird erpreßt. Eine Million Mark soll der Hausherr am Münsteraner Domplatz zahlen, „andernfalls würden“ – so verbreitete PPP am 19. November um 18 Uhr in Bonn – „Bomben auf Personenkraftwagen auf der Bundesautobahn geworfen und die Autobahnen in Rutschbahnen verwandelt“.

Nur widerstrebend gab der Kripo-Chef von Münster, Anton Möllers, am gleichen Tage gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zu, daß der erst vor einem halben Jahr ins Amt gekommene Regierungspräsident erpreßt werde und über Bild geantwortet habe.

In Springers Millionenblatt war findigen Journalisten gleich bei Auslieferung der Zeitung auf Seite 2 ein als „Anzeige“ deklarierter Zahlenkasten aufgefallen. Der Schlüssel für diesen Zahlencode, 53 in Kolonnen abgesetzte Bruchzahlen, lag im stern-Roman und ergab, so ermittelten die Redaktionen, im Klartext: „Einverstanden. Zahlung so nicht möglich. Bitte neuen Vorschlag.“ Auftraggeber war die Regierung in Münster, die damit auf zwei Briefe des Unbekannten antwortete, der zum Millionär werden will.

Der erste Brief war in Bramsche bei Osnabrück aufgegeben. Auf zwei Din-A 4-Seiten nannte der Erpresser seine Forderungen: An sämtlichen Kassen, Banken und Nebenstellen zwischen Hamburg und Düsseldorf, also an allen Ortschaften mit den Postleitzahlen 2 und 4, sollen jeweils 200 000 Mark hinterlegt werden. An fünf Geldinstituten seiner Wahl wollte der Erpresser dann das für ihn deponierte Geld abholen. Die nächste Zahlungsforderung des Unbekannten trug den Poststempel von Greven bei Münster.

Auf den Blättern eines Notizblocks hatte er die Zahl der Geldinstitute eingeengt, „aber“, so ein Sprecher der Kriminalpolizei, „es waren immer noch mehr als hundert Sparkassen, Banken und Nebenstellen“. Erster Staatsanwalt Hans Sturm, der nicht weiß, wie der Erpresser auf die Tatsache reagiert, daß die Ermittlungsbehörden in den Fall eingeschaltet wurden, will weiter mit dem (oder den) Unbekannten in Kontakt bleiben. Ob allerdings der Erpresser sich nach dem neuen Sturm-Signal „Wir halten uns an Ihre Bedingungen“ (wieder über Bild) melden wird, weiß der Staatsanwalt nicht zu sagen: Der Kreis der Geldinstitute ist inzwischen auf den Düsseldorfer Bereich eingegrenzt worden, so daß das Risiko für den Unbekannten größer wurde.