In früheren Jahrhunderten pflegten Schiff brüchige ihre Hilferufe von einsamen Küste in Flaschen auf lange Wege zu schicken. (Wo her sie die Flaschen im entscheidenden Momen immer parat hatten, blieb bis heute Geheimni der Inselwitz-Zeichner.) Im 20. Jahrhundert in des, wo es sich bei Gestrandeten ja vorwiegen) um Flug-Schiffbrüchige handelt, glaubt man sie von solchem Anachronismus unabhängig. Schließ lich gibt es ja heute überall Telephone. Auf (fast jeder Insel. Und erst recht auf Nebel-Inseln.

Anders in London Airport. Wer nach stunden langem Kreisen über britischer Smogdecke endlich landet und dann erfährt, daß alle Anschluß flüge fort sind, wird jeden Glauben an techno logischen Fortschritt verlieren.

Denn hat er – bei großem Andrang durch Mitgestrandete – eine freie Kabine ergattert kann er noch lange nicht telephonieren. Der Ope rator schickt ihn fort nach Wechselgeld. Zurück gekehrt heißt es wieder warten, minutenlang nach einem Amt wählen. Hat er schließlich der Operator und hat der die Verbindung nac Deutschland, schießt der Apparat quer: Die Münten lassen sich nicht durch den Schlitz pressen, e ist überfüttert mit dem Entgeld für Hilferufe zur Kontinent. Und am anderen Ende der Leitun war aus London statt eines Lebenszeichens nur ein Knacken zu vernehmen.

Polyglotte Empörung der Wartenden: Von acht Apparaten sind fünf ausgefallen. Und auch die Resignation in puncto Technologie, die quasi nostalgische Rückwendung zum Telephonfräuleii nützt nichts – der Posten ist wegen Krankhei nicht besetzt.

So scheint der beste Rat zur Befreiung von derlei technologischen Korsetts immer noch: ein Flasche von der letzten Zecherei in Schiff oder Flugschiff aufzubewahren. Man kann nie wissen Statt unter Palmen richtet man sich eben im Air Dorthotel ein. Und die Themse herunter bis Ham burg kommt eine Flasche allemal. B. v. J.