Von Gunhild Freese

Was japanische Hausfrauen in Panik versetzte, ließ ihre deutschen Kolleginnen relativ kalt. Während die Kampagne zur Einsparung von Energie in Japan Hunderttausende von besorgten Müttern in Warenhäuser trieb, um sich hinreichend mit Toilettenpapier, Waschmitteln, Salz und Zucker einzudecken, blieben deutsche Verbraucherinnen noch zurückhaltend. Zwar ergab eine Umfrage der Lebensmittelzeitung im Einzelhandel zunehmende Käufe von Grundnahrungsmitteln wie Zucker und Mehl und überdies gestiegene Wochenendumsätze, doch Hortungskäufe in großem Ausmaß blieben bislang aus.

Anders ist es allerdings bei direkt oder indirekt vom Energiemangel beeinflußten Produkten. So wurde etwa in Frankfurter Textilgeschäften ein zunehmender Absatz von warmer Bekleidung von der Unterhose bis zum Pullover registriert. – angesichts sparsam beheizter Wohn- und Büroräume nicht verwunderlich. Vorsichtiger werden deutsche Verbraucher anscheinend beim Kauf elektrischer Kleingeräte. Hiervon allerdings sind Heizgeräte ausgenommen. So verzeichnete das Hamburger Fachgeschäft für Phono- und Elektrogeräte Brinkmann einen Anstieg seines Absatzes über das Saisonübliche hinaus. Fachgeschäfte der Kieler Innenstadt waren sogar nahezu ausverkauft. Auch die Filialen der Horten-Warenhäuser spürten einen Kundenandrang zum elektrischen Heizgerät.

Die Vorsicht der Verbraucher freilich könnte sich gerade ins Gegenteil verkehren: Wenn die Heizgeräte alle angeschlossen werden, würde das Stromnetz der Städte zusammenbrechen.

Dort, wo wirklich Energie gespart werden könnte, wird unterdes noch fleißig verbraucht: Deutsche Autofahrer ließen sich bislang kaum dazu bewegen, auf ihr Vehikel zu verzichten. Weder die Hamburger Polizei noch der Hamburger Verkehrsverbund konnten ein merkliches Umsteigen vom Auto auf Busse und Bahnen verzeichnen. Statt dessen stellte HVV-Geschäftsführer Fritz Pampel nur "viele Anrufe von Autofahrern fest, die sich über Fahrzeiten und Tarife erkundigten".

Auch in Düsseldorf und Berlin hatten, die öffentlichen Nahverkehrsmittel keinen Ansturm einsichtiger Autofahrer zu bewältigen. Lediglich in München waren zahlreiche Automobilisten auf U-, S- und Straßenbahnen umgestiegen. Dieter Lippert, Geschäftsführer des Münchner Verkehrsverbundes, machte in der Innenstadt sogar freie Parkplätze aus.

Dennoch haben sich die Verkehrsgesellschaften in der Bundesrepublik für die Energiekrise gerüstet. Eine Ausdehnung des Fahrverbotes auf Werktage wäre jedoch, so Matthias Crampen, Leiter des Bereichs Kraftfahrtwesen im Verband der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe (VÖV), "nicht zu verkraften".