Hamburg, im November

Über die Ursachen des Ablebens von konkret werden sich die Hinterbliebenen wohl noch einige Zeit streiten – nicht zuletzt vor Gericht. Aber eine überzeugende Diagnose werden weder die letzte konkret- Mannschaft noch die vormaligen Besitzer Röhl& Co. liefern können, denn „das linke Magazin für Politik, Wirtschaft und Kultur“ verschied aus vielerlei Gründen.

Das langwährende Siechtum des Blattes war im vergangenen Herbst unübersehbar geworden. Ein verwaschenes Redaktionskonzept, Führungslosigkeit und die Umstellung auf wöchentliches Erscheinen beschleunigten die Talfahrt des Magazins von den Höhen einstiger Popularität unter jungen engagierten Lesern. Als sich die Auflagenkurve in diesem Frühjahr weiter senkte, kamen zu den wirtschaftlichen auch noch innerbetriebliche Schwierigkeiten. Röhl und seine Redakteure begaben sich in einen Dauerclinch, für den ein weitreichendes Redaktionsstatut (Röhl: „das fortschrittlichste der Welt“) eher verwirrende, denn schlichtende Regeln lieferte.

Als der Bremer Immobilienmakler Klaus Hübotter und die Belegschaft im Juni die Leitung des Blattes in die Hand nahmen, war konkret klinisch bereits tot. Die Übernahme des Magazins war offenbar ein Eine-Million-Mißverständnis. Denn ungefähr soviel Geld fehlte nach Angaben des DKP-Mitgliedes Hübotter, um die in der Ägide Röhl aufgelaufenen ungedeckten Schulden zu begleichen. Drastische Sparmaßnahmen, Geldspritzen des Bremer Millionärs und die Rückkehr zu vierzehntäglichem Rhythmus nutzten nichts mehr, konkret mußte den Konkurs anmelden.

Ererbte finanzielle Schwindsucht, wie die letzten Blatthalter meinen, oder redaktionelle Schizophrenie, wie der entmachtete Röhl behauptet? – wahrscheinlich führte beides zusammen zum Sterben von konkret. Denn auch ein Blatt mit festerem Finanzfundament hätte auf die Dauer einen so großen Mitarbeiterstab (im Impressum der letzten Nummer sind 15 Redaktionsmitglieder aufgeführt) nicht ernähren können. Dazu fehlte für das häufig von missionarischer Arroganz getragene Angebot einfach der Markt. Extrem Linkes verkauft sich schlecht für drei Mark; vor allem dann, wenn Ähnliches von Kommunisten, Trotzkisten oder Spartakisten an jedem Werkstor und jeder Universitätspforte – nur etwas unansehnlicher – gratis angeboten wird.

Solidarität wurde bei konkret zuletzt großgeschrieben. Das half den Mitarbeitern, auch unter. schwierigen Bedingungen eine Zeitung zu machen. Aber Gläubigern, selbst wenn sie „nett“ sind, wie Hübotter sagt, kann auf die Dauer auch der beste Wille das gestundete Geld nicht ersetzen.

Daß Geld allein auch noch kein Blatt macht, beweist der Fall Jasmin, dessen Exitus zum Jahresende bevorsteht. Weder millionenschwere Werbung noch die Wandlung vom Pärchen-Magazin zur Glanz-Postille für die selbstbewußte Frau konnten den Ruin verhindern. Todesursache auch bei Jasmin: Zu teure Produktion – zu wenige Anzeigen und Leser. Das Pressegeschäft wird immer schwieriger. D. B.