München

Der Münchner Tierpark Hellabrunn war nahe daran, einen Riesenbock zu schießen. In dem Bestreben, den armen Autofahrern am ersten „verbotenen“ Sonntag nur ja das Leben zu verschönern, kam die Direktion auf eine glänzende Idee: freier Eintritt für Kinder. Begründet wurde die großzügige Geste mit der Dankbarkeit gegenüber den treuen Besuchern.

Die Sache hatte nur einen Haken. Das hochherzige Angebot galt beileibe nicht für alle Kinder, sondern nur für die Sprößlinge von Autofahrern. „Es genügt, den Kraftfahrzeugschein an der Kasse vorzuzeigen“, hieß es in der Verlautbarung – ein nicht nur unangebrachtes, sondern geradezu skandalöses Angebot. Als ob es sich bei den treuen Besuchern nur um Autofahrer handele und Familien, die sich kein Auto leisten können, dafür auch noch zurückgesetzt werden sollen!

Durch die empörte Presse aufgeschreckt, reagierte die Tierparkleitung postwendend. Man gewähre jetzt allen Kindern freien Zutritt, hieß es in einem eilig verfaßten Schreiben an eine Redaktion. „Die Vergünstigung soll nicht auf die Kinder von Autofahrern beschränkt bleiben, auch wenn ursprünglich davon ausgegangen worden war, daß beinahe in jeder Familie ein Autobesitzer oder Führerscheininhaber ist.“

Auch Münchens Oberbürgermeister Kronawitter (SPD) gab als Aufsichtsratsvorsitzender der Tierpark AG bekannt, daß „selbstverständlich“ alle Kinder bei freiem Eintritt willkommen seien. Es herrschte interfraktionelle Einigkeit: Der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Schön protestierte als Mitglied des Kuratoriums zur Förderung des Tierparks über die (beabsichtigten?) Klassenunterschiede.

Am Sonntag gab dann in Hellabunn der Fernsehaffe Tonerl Autogramme, die Kinder vergnügten sich in Ermangelung des väterlichen Wagens mit den Miniatur-Oldtimern im Kinderzoo, und die Welt war wieder in Ordnung. In Zukunft wird man aber im Münchner Tierpark mit Werbegags wohl etwas vorsichtiger sein.

Annemarie Höfler