Leser von Biographien drängt es in unserem bildseligen Jahrhundert, das Gelesene auch optisch nachzuerleben. So mußte Friedrich Sieburg 1961 seiner Biographien-Trias einen üppigen Bildband nachschicken. Golo Manns Supplement seines „Wallenstein“ – mit dem Zusatz „Bilder zu seinem Leben“ versehen – entspringt zwar gleichem Bedürfnis, ist aber anderer Natur. Lieferte Sieburg eine optische Ergänzung alten Stils – historisches Bildmaterial zu einem farbenreichen Orbis Pictus aufbereitet –, so ging Golo Mann mit dem Photographen Ruedi Bliggenstorfer den Spuren Wallensteins in der Gegenwart nach. Der Eindruck alten Bildwerks – Stiche, Karten und so weiter – sollte tunlichst vermieden werden. Wenn schon alte Porträts und Schlachtgetümmel, so auf alle Fälle in Farbe und – hier liegt der entscheidende Unterschied – vor allem stets bezogen auf das, was der Reisende von 1973 auch selbst sehen kann. Das ist hier nun zusammengetragen, und manches kann man betrachten, was der Reisende gar nicht zu sehen bekommt, so das Innere des Palais Waldstein in Prag.

Um es gleich zu sagen: Der Rezensent ist nicht unparteiisch. Er ist vor zwei Jahren selbst den Spuren Wallensteins in der Tschechoslowakei nachgereist und vermißt nun einiges: keine Bilder aus Pilsen, von Schloß und Kirche Münchengrätz, von der Loggia bei Gitschin, von der Ruine in Eger, von Schloß Nachod. Und die Bilder von Friedland und der Gitschiner Lindenallee wirken unbefriedigend, wenn man weiß, um. wieviel eindrucksvoller sie zu photographieren gewesen wären. Warum nur fehlen so viele Objekte, die dem Betrachter wie dem Photographen leicht zugänglich sind?

Auch den Textbeitrag empfinde ich als unzulänglich. Golo Mann hat einen Aufsatz von 1966 abgedruckt: Erfahrungen einer Wallenstein-Reise. Aber die Reaktionen der Bevölkerung sind heute doch recht anders, das Bild des „Verräters“ Wallenstein dominiert, Erinnerungen an ihn werden nicht gepflegt. Dieses Buch hätte eine rechte Ergänzung zur Biographie werden können, lieferte es Bildlegenden mit Fakten. Statt dessen Zitate aus dem Buch, feierlich vorgetragen wie aus einer sakralen Schrift. Aber ich läse gern, wer denn der Erbauer des Prager Waldstein-Palais gewesen ist, wer dort die Gartenplastiken schuf, wer die Innenausstattung besorgte. Nichts von solchen profanen Dingen. Und warum wird der chronologische Ablauf mißachtet und dafür ein zeitliches Durcheinander geboten?

Es bleibt leider der Eindruck einer gewissen Beliebigkeit nach. Gewiß, das alles ist voll von Farbenpracht und Aufwendigkeit, aber doch vom Zufall der Auswahl allzusehr bestimmt. Dazu von einem modischen Layouter gestaltet mit briefmarkengroßen Bildchen und sinnlosen Wiederholungen von Wallenstein-Porträts, auch seitenverkehrten. Hätten alle Beteiligten mehr Sorgfalt walten lassen, was hätte man nicht aus einem solchen Band machen können. (S. Fischer Verlag, Frankfurt 1973; 156 S., 48,– DM.)

Eckart Kleßmann