Walter Jens (Herausgeber): „Der barmherzige Samariter“. Das vielleicht bekannteste, Gleichnis Jesu, die Geschichte vom barmherzigen Samariter, hat offenbar bis heute nichts von seiner provozierenden Kraft eingebüßt. Das zeigen die siebzehn Beiträge bekannter deutscher Autoren zu diesem Buch. Sie interpretieren den von Walter Jens neu übersetzten Text engagiert und sehr kontrovers. Ob Carl Amery oder Helmut Heißenbüttel, ob Herbert Braun oder Kurt Scharf, ob Eugen Kogon oder Dorothee Sölle – sie berichten dabei alle auch „von sich selbst, ihrem politischen Engagement und ihrem Standort in einer Gesellschaft, deren Struktur nicht wenigen von ihnen gerade im Hinblick auf die Parabel, als problematisch erscheint.“ So eignet sich dieses Gleichnis vortrefflich, um – wie Walter Jens in seiner ausführlichen Einleitung schreibt – „Grundprobleme der Zeit zu analysieren, Reform oder Revolution, quietistische Liebe zum Nächsten oder solidarische Liebe der Nächsten“ und dabei zu erproben, wieviel Kraft der Transzendenz diesem Bibeltext auch heute noch innewohnt. Weder intellektuelles Glasperlenspiel noch falsche Erbaulichkeit liegen in der Absicht dieses Buches. Entstanden ist eine Swiftsche „Battle of Papers“, in die der aufmerksame Leser mit einbezogen werden soll. Dies kann um so leichter geschehen, als das Gleichnis selbst nach Walter Jens von Jesus alles andere als akademisch gemeint ist: „Hier ist die Erde! Reden wir vom richtigen Tun!“ (Kreuz Verlag, Stuttgart, 1973; 189 S., 16,80 DM).

Sarane Alexandriens Bildband „Surrealismus“ (Edition Praeger, München; 256 S., 233 Abb., davon fünfzig in Farbe), vorgestellt in der Literaturbeilage vom 9. November, kostet nicht, wie ein Druckfehler wollte 124,–, sondern nur 24,– DM.