Nächste Woche beginnt in New York die dritte UN-Seerechtskonferenz. Brisante Themen stehen an: Fischereikrieg bei Island, Blockade am Tor der Tränen, Goldgräbermethoden am Meeresboden, Verschmutzung der Ozeane

Von Wolfgang Graf Vitzthum

Das gemeinsame maritime Erbe der Menschheit darf nicht zum ausschließlichen Erbe von Howard Hughes werden“, wetterte jüngst der ceylonesische Botschafter Amerasinghe, der Vorsitzende des UN-Meeresbodenausschusses. Argwöhnisch verfolgt er seit langem den spektakulären Meeresbergbau, den der geheimnisumwitterte amerikanische Großindustrielle vor der Pazifik-Küste von Nikaragua im Goldgräberstil betreibt. Dort ist sein Spezialschiff Glomar Explorer dabei, Nickel-, Kobalt- und Kupfervorkommen unter Gebirgen von Wasser abzubauen.

Gelingt das Vorhaben, so wird der Amerikaner seine Hand im Alleingang auf Teile der internationalen Meeresbodenschätze legen, die für die rohstoffhungrigen Industriestaaten unentbehrlich sind. Einige unterindustrialisierte Staaten, die vom Wertmetallexport leben, müßten Rückschläge für ihren Landbergbau befürchten. Und die Vereinten Nationen wären düpiert. Denn nach einer einstimmig beschlossenen Deklaration der Generalversammlung der Vereinten Nationen sind der küstenferne Meeresboden und’seine Naturvorkommen „gemeinsames Erbe der Menschheit“, die unter internationaler Kontrolle zum allgemeinen Wohl genutzt werden sollen.

Der Ceylonese Amerasinghe ist – neben dem maltesischen Botschafter Arvid Pardo und der Leiterin des privaten Pacem in Maribus-Projektes, der Deutsch-Amerikanerin Elisabeth Mann-Borgese – der Motor bei der Neuordnung des Meeresvölkerrechts. Das von Howard Hughes versuchte fait accompli benutzt der geschickte Diplomat, um die seit 1967 verschleppte Reformdebatte unter Zeitdruck zu setzen.

Gemeinsames Erbe

Ohne schnelles Handeln ist die Unordnung auf den Weltmeeren nicht mehr abzuwenden. Um das zu illustrieren, hätte der ceylonesische Mister Law of the Sea, wie ihn seine Kollegen respektvoll nennen, nicht den futurologischen Meeresbergbau heranzuziehen brauchen. Noch beängstigender sind die traditionellen Gefahren: