Von Rolf Diekhof

Während Autofahrer am Sonntag, mißmutig den Fußmarsch probten, bastelten ein paar tausend Mittelständler an Krisenprogrammen: Deutschlands Autoreparateure bangen um den „erheblichen Reparaturausfall“, so der Verbandschef des Reparaturhandwerks Binnenbrücker, der gemeinhin nach den „unfallträchtigsten Tagen“ der Woche am Montag anfällt. Diesen Montag herrschte gähnende Leere auf den Höfen der Reparateure.

Wie die Autohandwerker, so fürchten auch Auto- und Reifenhändler, Versicherungsagenten und Zubehörfabrikanten um Umsatz und Existenz. Denn Deutschlands Autofahrer, von Autoverteufelung, Verkehrszusammenbruch und Unfalltoten unbeirrt, reagieren mimosenhaft auf Ölkrise und Bonner Notsignale – obwohl bisher noch keiner das Auto aus Benzinmangel stehen lassen mußte.

So beobachtete Werner Klein, Vorstandsmitglied des größten deutschen Reifenherstellers Conti Gummi, schon in der vorigen Woche, daß „weniger gefahren wird“, daß „die Leute nicht mehr so rasen“, daß „an Ampeln bedächtig gestartet und gebremst wird“. „Das. alles“, so Klein, „muß sich zwangsläufig auf den Reifenbedarf auswirken.“

Und Wilhelm Becker, Seniorchef von Düsseldorfs „Auto-Becker“ (Opel, General Motors, Exoten und Gebrauchtwagen) klagte in einem Brief an Wirtschaftsminister Friderichs: „Ein Flächenbrand ist nicht auszuschließen. Wenn nun heute von notleidenden Industrien spricht, so dürfte der Autohandel an erster Stelle rangieren.“ Das Problem ist heute, so erklärt Achim Diekmann, Geschäftsführer des Deutschen Autoverbandes VDA, daß „kein Mensch daran denkt, ein Auto zu kaufen“.

Doch vorerst laufen die Bänder noch, ist die Blechlawine nur stellenweise ins Stocken gekommen. Die Notbremse Kurzarbeit hat zuerst Ford und jetzt auch Opel gezogen.

Im Lastwagengeschäft muß freilich auch Daimler Benz schon kürzer treten. Für die kleineren Transporter wurde in Hamburg-Harburg, Bremen und Düsseldof in aller Stille Kurzarbeit eingeführt.