Zur Sprache gibt es keine Alternative, und daher auch keinen „Zweifel an der Sprache“. Das wird nicht widerlegt durch die Möglichkeit, an eine Vernichtung der Sprache als Folge einer Vernichtung der Menschheit zu denken; daß diese, als Werk des Menschen, denkbar ist, löst nicht Zweifel an der Sprache aus, sondern Zweifel am Menschen.

Der Wiener Lyriker Ernst Jandl in einem Vortrag beim „Steirischen Herbst 1973“ in Graz; Thema des Symposions: „Zweifel an der Sprache“

Preisbescherung in Frankreich

Die vier Literaturpreise, die in Frankreich immer noch die Kraft haben, einem Buch neben oder über den internationalen Bestsellern zum Erfolg zu verhelfen, sind nun alle wieder vergeben worden. Den Preis der Damen-Jury Prix Femina erhielt der 67jährige Marcel Dard für den Roman „Juan Maldonne“, ein Kaleidoskop aus dem Istanbul vor dem Zweiten Weltkrieg; den Prix Medicis der siebenundzwanzigjährige Tony Duvert für den Roman „Paysage de fantaisie“, ein Ensemble homosexueller und sadistischer Visionen aus einem Waisenhaus; der Nebenpreis (Medicis Etranger) für den besten ausländischen Roman fiel an den Tschechen Milan Kundera für den ins Deutsche noch nicht übersetzten Roman „Das Leben anderswo“. Der Prix Renaudot ging an die Romanautorin Suzanne Prou für eine, laut „Le Monde“, „sehr mauriacsche“ Erzählung über das problematische Verhältnis zwischen einer Provinzaristokratin und ihrer Gesellschaftsdame; Titel: „La Terrasse des Bernardini“. Und der Preis der Preise, der Prix Goncourt schließlich ging an einen Französischschweizer, den achtunddreißigjährigen Waadtländer Autor Jacques Chessex für seinen Roman „L’Ogre“ (Das Monster), eine psychologische Vater-Sohn-Geschichte, die auch die ungeteilte Zustimmung der Kritik fand.

IngmarBergmans Pläne

In einem Interview mit dem Pariser Magazin „L’Express“ hat der Ex-Intendant des königlichen Theaters in Stockholm, Ingmar Bergman, bekannt: „Wenn ich wählen müßte zwischen Theater und Film, so würde ich mich ohne Zweifel für das Theater entscheiden.“ Andererseits könne er sich jetztnicht vorstellen, vom Kino zu lassen, und werde noch einige Jahre Filme drehen. Zunächst einmal verbindet Bergman seine zwei Vorlieben einfach: Im Frühjahr will er mit seinem alten Kameramann Sven Nykvist Mozarts „Zauberflöte“ verfilmen und danach seinen älteren Plan realisieren, „Die lustige Witwe“ mit Barbra Streisand. Bergman hat die Operette schon fürs Theater inszeniert, er liebt die Zeit, die Figuren, die Musik und freut sich auf die unbegrenzten Mittel, die ihm der italienische Produzent Dino de Laurentis zur Verfügung stellt. Bergman: „Für Zerstreuung zu sorgen gehört schließlich zu meinem Beruf. Ich zerstreue sehr gern, es ist angenehm. Und es ist sehr legitim, meinen Sie nicht?“ Bergmans letzter und einer seiner größten Filme, „Schreie und Flüstern“, wird wieder nicht ins deutsche Kino kommen. Wir müssen dankbar sein, daß ihn wenigstens das Fernsehen (ARD am 10. März 1974) zeigt.

Mit dem Finger gedroht