Die schwedische Pippi Langstrumpf und die Gesellen aus der englischen Kinderstube von Alice bis zu Paddington, dem Bären, sind uns so vertraut wie Kästners Helden oder wie Johanna Spirys Alpen und Mark Twains Mississippi. Von der Landschaft der sowjetrussischen Kinderliteratur wissen wir nichts.

Erst in den letzten beiden Jahren sind – vielleicht als Folge von Jurinetz’ Erfolgen oder der Ostverträge – in verschiedenen westdeutschen Verlagen russische Kindergeschichten erschienen, und der Leser fragt sich: Sind sie typische Vertreter dieser unbekannten Literatur oder lediglich Zufallstreffer?

Da gibt es drei Geschichten, die, vom Stand der westeuropäischen Kinderliteratur betrachtet, anmuten wie aus dem vorigen Jahrhundert:

Pawel W. Katajew: „Der kleine Robinson“, aus dem Russischen von Hans Baumann; Arena Verlag, Würzburg, 1973; 102 S., 9,80 DM

Valerie Medwedew: „Ein Schandfleck für die ganze Schule“, aus dem Russischen von Hans Baumann; Thienemanns Verlag, Stuttgart, 1972; 128 S., 8,80 DM

Sergej Michalkow: „Hurra, die Eltern streiken“, aus dem Russischen von Hans Baumann; Arena Verlag, Würzburg, 1972; 62 S., 7,80 DM

In allen Büchern brechen Kinder aus – in eine Art Schlaraffenland, in Tiergestalt und auf eine einsame Insel, und in allen Fällen wird ihnen auch nicht die geringste Chance gegeben, den Umgang mit Freiheit und Selbstverantwortung zu lernen, sondern sie versagen spornstreichs und übergründlich. So macht sie die Einsicht, daß sie doch nicht allein zurechtkommen, so gefügig, wie man die Kinder in der viktorianischen und der deutschen Diktatorzeit gerne sah. All diese Bücher sind jedoch heute geschrieben, und es tröstet nicht einmal eine einigermaßen akzeptable literarische Qualität.