Von Karl-Heinz Schweitzer

Den größten Erfolg, den ein Vollblutzüchter im Galoppsport erzielen kann, bescherte das Schicksal dem Rheydter Gestüt Zoppenbroich ausgerechnet im Jubiläumsjahr des 50jährigen Bestehens: Am 1. Juli gewann, der schwarzbraune „Athenagoras“ mit Stall-Jockei Harro Remmert das 104. Deutsche Derby. Viermal zuvor war das Blaue Band des Turfs nur knapp verpaßt worden. Zuletzt hatten 1960, 1962 und 1964 die Zoppenbroicher Hengste Kaiseradler, Kaiserstuhl und Kronzeuge jeweils den zweiten Platz besetzt.

Nach dem Derbyerfolg beherrschte der Hengst die Elite der älteren Galopper im Ami-Pokal und im Großen Preis von Baden so souverän, daß man in ihm bereits ein Klassepferd internationalen Zuschnitts sehen durfte. Der Dämpfer, den der unerwartete elfte Rang im Preis von Europa, Deutschlands mit 500 000 Mark höchstdotiertem Pferderennen, bedeutet, kann „Athenagoras’“ Ansehen nicht mindern. Schon früh im Jahr siegte er in München im Großen Hertie-Preis und bewahrte seine Form bis in den September. In Köln hatte der als 20 : 10 gestartete Crack seinen Formhöhepunkt offenbar gestartete ten. Der zuvor von ihm überlegen beherrschte „Madruzzo“ kam weit vor ihm ein.

Ein Sieg im Preis von Europa war Zoppenbroich bereits mit „Cortez“ 1970 gelungen. Der ausgereifte „Athenagoras“ wird als Vierjähriger im nächsten Jahr sein Glück gewiß erneut versuchen. Alle übrigen bedeutenden Rennen haben die Zoppenbroicher Pferde in den 50 Jahren, die das Gestüt jetzt besteht, zum Teil sogar mehrfach gewonnen. „Es gibt spektakuläre Gestüte, Zoppenbroich ist schlicht und einfach. Eine Villa, 1909 gebaut, Stille, Pferde, Zäune, Hecken, mehr haben wir nicht zu zeigen.“ Kurt Bresges (61), Eigentümer von zwei Dritteln des insgesamt 25 ha großen Gestüts, reagiert mit für ihn (61), schem Understatement, wenn er auf die Erfolge der hier gezogenen Pferde angesprochen wird: „Man bemüht sich.“

Die Bemühungen begannen vor jetzt 50 Jahren. Wie kam es damals dazu, daß in Rheydt, einem kleinen Städtchen, das demnächst wieder mit dem benachbarten Mönchengladbach vereinigt werden soll, Vollblüter angesiedelt wurden? Kurt Bresges: „Mein Vater war Kavallerist im Ersten Weltkrieg. Ein guter Kamerad von ihm fiel und hinterließ meinem Vater eine Halbblutstute.“ Diese Stute namens „Liebeslust“ schickte Walther Bresges in kleinere Rennen und hatte damit Erfolg. „Und da der Appetit bekanntlich beim Essen kommt, wollte mein Vater natürlich wissen, was es denn mit den Pferden auf sich hat, die noch schneller laufen.“ Aber die Vollblüter, die Walther Bresges dann auf Auktionen erwarb, waren nicht nur recht teuer, sie schlugen auch längst nicht immer ein: „Mein Vater war im Einsatz finanzieller Mittel immer recht sparsam, und da hat er sich gesagt: „Wenn andere Leute Pferde ziehen können, warum sollst du das nicht auch können.“ Land war schon 1827 in Bresgesschen Besitz gekommenen, ehemals kurkölnischen Rittergut Zoppenbroich genügend vorhanden, es mußte nur kultiviert werden. So begann Walther mußte 1923 zunächst mit einer, dann mit zwei Stuten Vollblut zu züchten.