Ravi Tikkoo will trotz Ölkrise seine Flotte weiter vergrößern

Ölkrise oder keine Ölkrise – Ravi Tikkoo will der Größte bleiben und sich in der Klasse der Tankergiganten von niemandem übertreffen lassen. „Ich habe meine Pläne nicht geändert. Da ich nur vorhabe, Schiffe von 500 000 bis 700 000 Tonnen Tragfähigkeit zu bauen, stelle ich die besonderen Erfordernisse des Öltransports über sehr lange Zeiträume in Rechnung. Ich beabsichtige, einen oder mehr Tanker bis 1978 zu bauen.“ Aber der Planer richtet seinen Blick schon zu ferneren Horizonten: in zehn Jahrenden Eine-Million-Tonnen-Tanker, in zwanzig Jahren ein Ungetüm, das zwei Millionen Tonnen tragen kann.

Die langfristige Zuversicht steht im Gegensatz zu seinem kurzfristigen Pessimismus. „Die jetzige ölsituation ist sehr ernst, und sie kann eine verheerende Wirkung auf die Schiffahrt haben.“ Tikkoo beschreibt die Lage am Chartermarkt als verwirrend und deprimierend. Wenn das so weitergehe, würden eine Menge Tanker beschäftigungslos, insbesondere Schiffe mit 200 000 Tonnen und darüber: „Viele Reeder werden viel Geld verlieren.“

Tikkoo und seine Globtik-Gruppe werden nicht dazugehören, versichert der 41jährige Tankerreeder, der von seinem holzgetäfelten Büro in der Londoner Park Lane aus die 1 164 784 Tonnen tragende Flotte lenkt, darunter die beiden Supertanker, die Tikkoo und seine Globtik in die Schlagzeilen gebracht haben. Die Globtik Tokyo und die Globtik London können jeweils über 483 000 Tonnen Öl aufnehmen. Sie transportieren den begehrten Rohstoff vom Persischen Golf zum ölabhängigen Japan.

Die Globtik London, das größte Schiff der Welt, war auf ihrer Jungfernreise nur zu 70 Prozent beladen. Tikkoo äußert Mitgefühl für die Firma Tokyo Tankers, die die Globtik London (wie auch das Schwesterschiff) auf zwanzig Jahre gechartert hat, damit sie für die Nippon Oil Group und Caltex Oil Öl vom Golf holt. Sie allein trägt das Risiko. Seine Finanzierungs- und Charterformel, so Tikkoo selbstbewußt, hält jede Ölkrise aus. Globtik kümmert sich um Schiff und Crew und kassiert die vereinbarten Raten, aus denen der Schiffskredit getilgt, die Kosten getragen und der Gewinn bestritten werden. Globtik legt Wert auf die Feststellung, daß auch Großbritannien davon etwas abbekommt. Die Tanker fahren unter britischer Flagge, obwohl sie der Insel nicht nahe kommen.

Der Mann aus Kaschmir, der auf der Punab-Universität Mathematik studierte und anschließend sieben Jahre bei der indischen Marine diente, entdeckte sein Talent für die Schiffsfinanzierung in Europa. Der Start war schwierig. Er ging mit seinem Projekt bei Londoner Banken hausieren, doch die City lehnte ab. Schließlich versuchte er es bei der Hamburgischen Landesbank. Tikkoo: „Ich erhielt sofort Antwort, und zwar positiv.“ Der Neuling entwickelte eine enge Verbindung zu diesem Institut. Tikkoo preist die Effizienz der deutschen Banken und, wie er sagt, ihre Bereitschaft, auch einmal von ausgetretenen Pfaden abzugehen.

Tikkoo kaufte zunächst drei Tanker in der Kategorie zwischen 50 000 und 80 000 Tonnen, verschrieb sich dann aber ganz der Idee „größer ist besser, am größten ist am allerbesten“. Er entwickelte dafür die Finanzierungsformel, besprach sich mit den Banken, gewann eine Ölgesellschaft als Charterer und gab den Auftrag schließlich der Werft. Beide Supertanker wurden nach diesem Konzept gebaut. Sie sind mit japanischem Geld finanziert, auf einer japanischen Werft gebaut und an Ölgesellschaften in Japan verchartert. Globtik Tokyo wurde im Frühjahr dieses Jahres in Dienst gestellt. Globtik London folgte Ende Oktober – vierzehn Tage nach dem Embargobeschluß der Araber. Beide Schiffe können, wenn Allah gnädig ist, neun Millionen Tonnen Rohöl im Jahr nach Japan tragen.