Der bisher brutalste und blutigste Anschlag palästinensischer Guerilla forderte 32 Todesopfer und endete am Dienstag mit der Freigabe einer entführten. Lufthansa-Maschine und ihrer 12 Insassen in Kuwait. Die drei Terroristen ergaben sich den kuwaitischen Behörden. Während aus dem Scheichtum am Persischen Golf gemeldet wurde, es handele sich um eine bedingungslose Kapitulation, berichtete die Lufthansa in Köln, den Tätern sei freies Geleit zugesichert worden.

Das Drama hatte am Montag mittag in Rom begonnen. Es spielte sich in folgenden Etappen ab:

  • 13 Uhr: Drei arabische Terroristen, mit Maschinenpistolen und Sprengkörpern bewaffnet, erscheinen bei der Handgepäckkontrolle. Sie reißen plötzlich ihre Waffen heraus, feuern in die Luft und nehmen die Polizisten als Geiseln. Auf dem Flugfeld stürmt ein Araber die Gangway hoch zur 1. Klasse einer abflugbereiten Boeing 707 der PanAm, die von New York gekommen war und nach Teheran wollte. Ein Sprengkörper setzt die Maschine in Brand. 31 Passagiere, zum Teil angeschnallt, sterben in den Flammen, darunter die beiden marokkanischen Minister Imani (Entwicklungsplanung) und Doukkdi (Jugend und Sport).

Mit ihren Geiseln bringen die Araber eine unbesetzte Lufthansa-Maschine in ihre Gewalt und zwingen sie zum sofortigen Start.

  • 15.48 Uhr: Die Lufthansa-Boeing landet in Athen. Die Terroristen verlangen die Freilassung von zwei inhaftierten Palästinensern, die am 5. August auf diesem Flugplatz vier Menschen getötet und 55 verletzt hatten. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg, in dessen Verlauf Geiselerschießungen bekanntgegeben werden – offensichtlich eine Taktik der Terroristen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

Bundeskanzler Brandt telephoniert mit dem griechischen Ministerpräsidenten Gizikis. Die griechische Militärregierung stimmt der Auslieferung der Inhaftierten zu, nimmt diese Zusage aber in der Nacht wieder zurück.

  • Dienstag, 8.34 Uhr: Die Worms wird aufgetankt und startet nach Freilassung eines schwerverletzten italienischen Polizisten nach Damaskus. Unmittelbar vor dem Abflug hatten die Araber die Leiche eines erschossenen italienischen Flughafenangestellten, der wahrscheinlich nicht als Geisel gestorben, sondern schon bei dem Überfall in Rom ums Leben gekommen war, aus dem Flugzeug geworfen.
  • 10.56 Uhr: Die Lufthansa-Maschine landet in Damaskus. Beirut hatte keine Landegenehmigung erteilt. In der Erste-Hilfe-Station läßt sich ein Terrorist eine klaffende Kopfwunde verbinden.
  • 13.15 Uhr: Start nach Kuwait. Das Scheichtum verweigert die Landeerlaubnis und sperrt die Landebahn mit Kraftwagen. Der niederländische Pilot Joe Kroese (36), der als der „härteste Mann der Lufthansa“ gilt, wird von den Palästinensern mit vorgehaltener Waffe gezwungen, die Landung zu versuchen. Die Maschine zertrümmert eine Reihe aufgestellter Jeeps und bleibt schließlich im Sand stecken. Die Uhren zeigen 15.10 Uhr. Die palästinensische Befreiungsorganisation hat die Terroraktion scharf verurteilt.