Wozu noch Verlage? Aber da liegt der Haken. Das Desinteresse an Literatur hat die Lust zum Geschäft nicht vermindert. Auch bei "linken" Verlegern nicht...

Helmut Heißenbüttel im neuen Heft des "Merkur"

Die Unfähigkeit zu feiern

Alle Jahre wieder streiten Fernsehredakteure und -kritiker über das wahre Festprogramm: hie "fader Festtagscocktail", "bunt und besinnlich", zwischen "Service und Sentiment", da die "Weihnachtsstimmung als verbindendes Gefühlsmoment". Dietrich P. Winterberg vom WDR plädiert für "das Fernsehen als neu sich herausbildendes weihnachtliches Brauchtum" und für "kritische Reflexion der zunehmenden Unfähigkeit, zu feiern selbst zu Weihnachten, einschließlich jener weihnachtlichen Wirklichkeitsferne, die das Fernsehen selbst jahrelang reproduziert hat". Die katholische "Funk-Korrespondenz" resigniert: "Ein Fernsehen, das sich vorwiegend als kritische Instanz der Gesellschaft versteht, kann mit Festen nichts anfangen." Denn: "Feiern heißt bejahen." Der "Evangelische Pressedienst" klagt noch genereller: "Ein Blick auf das Fernsehprogramm an den Wochenenden ... kann Gruseln lehren." Aber Christian Wallenreiter, Ex-Intendant aus Bayern, tröstet die Kontrahenten: "Die religiösen Sendungen" machten, so meint er, "über Jahrhunderte hinweg die Dauer im Wandel gegenwärtig". Sein besonderer Fest-Tip: "Die klassische Literatur mit ihrer Aussagekraft und ihrem dramatischen Instinkt sollte hier nicht fehlen, da mehr als die Wirklichkeit gesucht wird."

Rügen haben kurze Beine

Auf Antrag der Gesellschaft katholischer Publizisten sollte der Deutsche Presserat dem Industriereporter Günter Wallraff eine Rüge aussprechen, weil er sich beim Gerling-Versicherungskonzern in Köln unter falschem Namen als Bote hatte anstellen lassen, um das Betriebsklima "von unten" zu studieren (die Reportage erschien letzten August in dem Band "Ihr da oben – wir da unten"). Der Presserat lehnte den Antrag ab. Falls Wallraff gegen ein Gesetz verstoßen oder schutzwürdige Rechte Dritter verletzt habe, hätte der Gerling-Konzern ein Gericht bemühen müssen; das sei unterblieben. Zur Informationsbeschaffung seine Identität geheimzuhalten, sei jedoch grundsätzlich nicht unlauter. Somit bleibt Wallraff ungerügt.

Weissagungen