Aber dennoch wird den privaten Handwerkern unterstellt, sie hätten noch nicht so recht begriffen, worum es im Sozialismus gehe. So erklärte zum Beispiel der Vorsitzende der PGH „Matthias Berger“ in Gotha, Erich Kellner, die privaten Handwerker seien zurückgeblieben: „Kein Wunder, wird doch ihr politischer Horizont vielfach von den vier Wänden ihrer Werkstatt eingeengt. Dürfen wir das zulassen? Ich denke, das unterstreicht, wie notwendig es ist, unsere individuell arbeitenden Handwerkskollegen an die überbetriebliche Gemeinschaftsarbeit heranzuführen.“

Und erst vor wenigen Wochen meinte der Staatssekretär im Ministerium für bezirksgeleitete Industrie und Lebensmittelindustrie, Herbert Bomski: „Die genossenschaftliche Arbeit ist und bleibt die geeignetste Form, die vielfältigen und zersplitterten Kapazitäten der Handwerker und Gewerbetreibenden zusammenzuführen und im Interesse der Versorgung der Bevölkerung wirksamer und mit einer höheren Effektivität zu nutzen.....Von diesem Grundgedanken ausgehend, ist es erforderlich, daß wir in der politisch-ideologischen Arbeit mit den privaten Handwerkern und ihren Beschäftigten dieÜberzeugung vermitteln, daß der genossenschaftliche Weg objektiv den Interessen der Gesellschaft und damit auch jedes einzelnen Handwerkers entspricht.“

Bomski sprach in einer Handwerker-Tagung der Liberal-Demokratischen Partei Deutschland; (LDPD). Diese Partei zählt vor allem mittelständische Bürger zu ihren Mitgliedern; daß sie auch deren Interessen vertritt, kann man kaum behaupten. Denn sie hat sich zusammen mit de-NDPD und der ostdeutschen CDU bei der Sozialisierungsaktion als Exekutivorgan der SED benutzen lassen, die einige Zeit lang versuchte, ihre Rolle in diesem Schauspiel zu verbergen.

Die Sozialisierungskampagne begann, so schien es zunächst, auf dem 11. Parteitag der LDPD. Der Partei Vorsitzende Manfred Gerlach sprach damals, im Februar 1972, allgemein von der planmäßigen weiteren Entwicklung der sozialistischen Produktionsverhältnisse, auch von Tendenzen, die dem allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt zuwiderlaufen, und wurde dann konkret:

„Fortschrittliche Komplementäre, die unsere.“ Partei angehören, haben jetzt zum Ausdruck gebracht, daß es für die Erhöhung der volkswirtschaftlichen Effektivität der Betriebe mit staatlicher Beteiligung, für sie selbst und auch für die Werktätigen in den Betrieben vorteilhaft wäre, wenn die sozialistischen Produktionsverhältnisse in diesen Betrieben weiterentwickelt und damit immer besser mit den gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen in Übereinstimmung gebracht würden. Sie haben sich bereit erklärt, ihren privaten Anteil an den Staat zu verkaufen. Das trifft auch auf Parteifreunde zu, die Inhaber privater Betriebe sind.“ Handwerker, so Gerlach, hätten erklärt: „Wir wollen und können nicht für alle Zeit als private Handwerksmeister arbeiten.“

Zeuke, geh du voran

Am zweiten und dritten Tag dieses Parteitages gaben dann mehrere Betriebsinhaber ihre Verzichterklärung ab. Einer von ihnen war Werner Zeuke, Mitinhaber der Zeuke und Wegwerth KG Dieser Betrieb produziert die auch im Wester. viel gekauften Zeuke-TT-Modelleisenbahnen. Bis 1956 war er vollständig in privatem Besitz. Dann wurde – übrigens nach chinesischem Vorbild – den Unternehmern „geraten“, eine staatliche Beteiligung aufzunehmen. Die Betriebe wurden in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, bei welcher der Staat mit einer Einlage von meist fünfzig Prozent des Firmenkapitals Kommanditist wurde und der ehemalige Inhaber als Komplementär und Betriebsleiter fungierte.