Von Jens Friedemann

Es klang wie ein Sieg der Bundesregierung über die Abschreibungsbranche, als Staatssekretär Konrad Porzner aus dem Bundesfinanzministerium im November verkündete, Bonn habe die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um den Mißbrauch mit Steuervorteilen bei Kapitalanlagen auszuschließen. Was der Parlamentarische Staatssekretär verlas, klingt in der Tat imposant.

Durch das Zweite Steueränderungsgesetz wurde für Abschreibungen von Seeschiffen und Flugzeugen eine Verlustklausel eingeführt, nach der die hohen Sonderabschreibungen nicht mehr zur Entstehung hoher steuerlicher Verluste führen dürfen. Das aber war es, was Anleger daran reizte. Um aus ersparten Steuergeldern Vermögen zu bilden, war kein Weg zu lang, kein Strand zu abgelegen, um dort nicht noch ein Hotel hochzuziehen, das zwar wenig Rendite, dafür aber Steuererleichterungen versprach.

Nun kann der goldene Beton nur noch mit Bewilligung des Bundeswirtschaftsministeriums steuerbegünstigt geschüttet werden; ein Unterfangen, das für Geldanleger ebenso aufwendig wie nutzlos ist. "Damit", so Konrad Porzner, "ist den Abschreibungsgesellschaften wie den sogenannten Sonnen KGs der Boden entzogen."

Merkwürdigerweise ist bei den Betroffenen, den Abschreibungsfirmen, von einer Verunsicherung überhaupt nichts zu bemerken. Ein Blick in den Anzeigenteil der Zeitungen verrät eher das Gegenteil. Trotz Steueränderungsgesetz, Verwaltungsverordnungen und Verlustklauseln floriert das Geschäft mit steuerbegünstigten Schiffen und Hotels wie nie zuvor. Das Angebot der einschlägigen Firmen ist im Dezember von geradezu exotischer Vielfalt gewesen.

Die Phantasie der Abschreibungsspezialisten ist offenbar größer, als es sich Bonner Beamte vorzustellen vermögen. Durch immer gewagtere Kombinationen machen sie den Versuch, Steuergelder gut verdienender Bürger vor dem Fiskus zu retten, um sie in Vermögen umzuwandeln. Die Angebote reichen vom steuerbegünstigten Eroscenter bis zum Supertanker, vom Erfinderpatent bis zum Yachtclub auf den Azoren, von der Ölsuche in den Apalachen bis zum steuerbegünstigten Studio in New York oder Monaco.

Der Boom hat Tradition. Jedesmal, wenn in Bonn Maßnahmen zur Eindämmung der Abschreibungswellen beraten werden, beginnt in den Steuerzentralen der Abschreibungsfirmen eine fieberhafte Suche nach neuen Konzeptionen. So folgte dem Steueränderungsgesetz ein Hotelrausch in Spanien und dem nahenden Ende der Abschreibungsmöglichkeiten nach dem Entwicklungshilfe-Steuergesetz das Kölner Modell.