DIE ZEIT

Spaß beiseite

Am 6. Dezember hatten zwei Satiriker der Turiner Zeitung Stampa statt des Floretts schwere Säbel gegen den libyschen Staatschef Ghaddafi gezogen.

Wer ist wider die Verfassung?

Im Mai 1974 wird die Bundesrepublik 25 Jahre alt. Das ist, gemessen am Lebensalter der klassischen westlichen Demokratien, kaum ein erwähnenswertes Datum.

Russische Tragödie

Der Geist ist ein Wühler – der Satz, über hundert Jahre alt, stammt von Carl Jakob Burckhardt. Es ist unwahrscheinlich, daß Leonid Breschnjew je eine Zeile des Baseler Geschichtsphilosophen gelesen hat.

Gegen Gießkannen

Wieder einmal sind in Brüssel die Uhren angehalten worden, um zumindest einen Schein europäischer Termintreue zu wahren. Doch an der Stunde der Wahrheit können sich die Europäer auch diesmal nicht vorbeidrücken.

Flucht aus der Mark

Kaum hätten sich die Menschen daran gewöhnt, daß hohe Goldpreise und Dollarschwache zusammengehören, da beweisen die Märkte genau das Gegenteil.

Alarm in London: Mit Bobbies hinter Panzerkanonen

Gerald Priestland, der in der Welt herumgekommene BBC-Mann, der jeden Abend um sieben Uhr die Ereignisse des Tages notiert, fand sich durch den Aufmarsch der Skorpion-Panzer in Heathrow an einen syrischen Staatsstreich erinnert.

Worte der Woche

"Heute sind die Unionsparteien die einzige politische Kraft in unserem Lande, die geschlossen und entschlossen Widerstand gegen die Unterwanderung unserer freiheitlich demokratischen Ordnung leistet.

Zeitspiegel

Rumänische Juden unterhalb des Rentenalters dürfen nicht mehr nach Israel emigrieren. Auswanderungsanträge werden von den Behörden nicht einmal mehr angenommen.

Spekulationsflut um Scheels Nachfolge

Die nächsten Fixsterne am flimmernden Himmel der Mutmaßungen über die bevorstehende Kabinettsumbildung sind der Dienstag und Freitag der kommenden Woche.

Rückwärts in die Zukunft

Seit Jahren versucht sich Spaniens politische Führung an der Quadratur des Kreises: den Anschluß an das demokratische Europa zu gewinnen, ohne seinen Bürgern politische Rechte zu gewähren, Liberalisierung zu propagieren, ohne eine Opposition zu dulden.

KommandoWechsel im Mao-Reich: Machtverlust der Militärs?

Wenn sich das Gras bewegt, dann muß auch der Wind blasen", sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Das Revirement in der Pekinger Militärführung, bei dem in den vergangenen Monaten zehn der insgesamt elf regionalen Oberbefehlshaber ihre Wehrbezirke wechselten, läßt wieder einmal innerchinesische Bewegung erkennen.

"Enten"-Skandal: Zweiter Akt

Für Madame Bertin, Concierge in der Pariser Rue Saint-Honoré 173, gab es keinen Zweifel: "Ich erkenne ihn wieder, diese Person kam ungefähr zehnmal an meine Pförtnerloge und bat mich dreimal um den Schlüssel zu den künftigen Büros des Canard Enchaîné.

Wolfgang Ebert: Letzte Worte

Als man sich schon an die Energie-Krise fast gewöhnt hatte, brach im Mai eine weitere Krise über uns herein, und zwar so plötzlich, daß es allen Regierungen, und selbst ihren Sprechern, die Sprache verschlug.

Trabantenstadt Billwerder-Allermöhe: Ja – mit Bedenken

Leicht gemacht haben es sich die Hamburger Sozialdemokraten mit ihrer grundsätzlichen Entscheidung für das "Projekt Billwerder-Allermöhe", eine Trabantenstadt für über 70 000 Einwohner und damit das größte städtebauliche Unternehmen der Bundesrepublik seit Kriegsende, ganz gewiß nicht.

Neue Männer – alter Kurs

Die Regierungsumbildung in Madrid ist umfangreicher ausgefallen, als alle politischen Kommentatoren prophezeit hatten. Von 18 Ministerien wurden zwölf neu besetzt, zwei Minister wechselten das Ressort.

Indochina: Schwere Kämpfe

Auf dem indochinesischen Kriegsschauplatz wird weiter im Mekong-Delta, in den nördlichen Provinzen Südvietnams und in Kambodscha gekämpft.

Harte Kritik an Carstens

Mit einer Jahresbilanz der deutschen Politik, die er in der vergangenen Woche im Deutschland-Union-Dienst veröffentlichte, hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl Carstens, ein heftiges Echo ausgelöst.

FDP mit Selbstbewußtsein

Im Zeichen starken Selbstbewußtseins begingen die Freien Demokraten am vergangenen Wochenende ihr Dreikönigstreffen in Baden-Württemberg.

Krise weitet sich aus

Die Opposition im britischen Unterhaus hat einen ungewöhnlichen Schritt erzwungen: Die Parlamentarier wurden sechs Tage früher aus den Ferien zurückgerufen, um am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche an einer Energiedebatte teilzunehmen.

Empörung über Erpressung

Mit einhelliger Empörung haben italienische Politiker aller Parteien auf die Forderung des Arabischen Boykottbüros reagiert, den jüdischen Chefredakteur von La Stampa, Arrigo Levi, unverzüglich abzulösen.

Grundvertrags-Urteil: Späte Schelte

Mehr als einen Monat, nachdem in der sowjetischen Zeitschrift "Internationales Leben" ein kritischer Aufsatz über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Grundvertrag erschienen war, ohne daß er große Beachtung gefunden hätte, hat das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" nun diesen sehr ausführlichen Beitrag nachgedruckt.

Peru: Schlag gegen USA

Peru hat zu Beginn dieses Monats das Bergbau-Unternehmen Cerro de Pasco Corp., eine Tochterfirma der amerikanischen Gesellschaft Cerro Corporation, enteignet und der Gesellschaft zugleich volle Entschädigung angeboten.

Hoffnung auf Frieden

Nach der fünften Gesprächsrunde der ägyptisch-israelischen Militärkommission in Genf zeichnete sich am Montag eine Einigung über einen israelischen Teilrückzug ab.

Umbesetzungen in China

In der Volksrepublik China sind zahlreiche Spitzenpositionen der "Volksbefreiungsarmee" um- oder neubesetzt worden. Elf der dreizehn Militärregionen erhielten neue Oberbefehlshaber, allerdings wurden bis auf einen Fall die Kommandeure lediglich von Region zu Region ausgetauscht.

Watergate: Nixons Nein

Die Auseinandersetzung zwischen dem amerikanischen Kongreß und dem Präsidenten in der Frage der Gewaltenteilung hat sich erneut verschärft, seit Richard Nixon sich weigert, Dokumente und Tonbänder an den Watergate-Ausschuß zu übergeben.

Man muß immer weiter gehen

Gewiß werden einige kluge Leute – in allen politischen Lagern – nun, nach der Veröffentlichung von "Archipel GULAG", feststellen wollen, Alexander Solshenizyn sei nun doch zu weit gegangen, und was nun kommen mag, habe er sich selbst zuzuschreiben.

Wie erwehren wir uns der Gewalt an den Hochschulen?: Gegen ein KSV-Verbot

Berliner Professor verprügelt; Frankfurter Nationalökonom kann nur unter Polizeischutz lehren; Sitzung des akademischen Senats der FU Berlin gesprengt; Abbruch aller Lehrveranstaltungen am Otto-Suhr-Institut Berlin – beinahe täglich wird dem erschrockenen Zeitungsleser ein solcher Schock versetzt.

Das große Dilemma

Im Februar letzten Jahres entschloß sich die Sowjetunion nach langem Zögern zu einem wichtigen Schritt bei der Normalisierung ihrer Außenbeziehungen: Sie trat einer der beiden großen internationalen Copyright-Konventionen bei, dem Welturheberrechtsabkommen.

Zeitmosaik

Ein Gespenst geht um in der Bildungspolitik der Bundesrepublik: Resignation ... Der Elan der Reformer scheint weitgehend gebrochen zu sein.

Nach acht Jahren erstmals wieder auf großer Tournee: Dylans Comeback

Das Rockmusikereignis des Jahres 1974 begann bereits am 2. Dezember vergangenen Jahres. An diesem Sonntag erschienen in den größeren Zeitungen Nordamerikas ganzseitige Anzeigen, die typographisch und textlich äußerst bescheiden aufgemacht waren: Die fast weißen Seiten enthielten nichts weiter als zwei Namen in schwarzer Kleindruckschrift: "Bob Dylan/The Band", außerdem in einer Fußnote Hinweise auf bevorstehende Konzerttermine und Möglichkeiten der Kartenbestellung.

Kunstkalender

Koberling, mal anders, keine mit Nessel überspannten Landschaften, die fern leuchten, die sehr schön waren und immer noch schön sind, was Koberling nicht hindert, anders zu malen, sich von der eigenen Vergangenheit loszusagen, sich auf Neues einzulassen, die optische Provokation, jede beliebige, auch die zufällige, die Wasserlache im Atelier anzunehmen.

Filmtips

"Andrej Rubljow" von Andrej Tarkowskij. Der in der UdSSR verbotene Film ist nach der Fernsehausstrahlung jetzt in unabhängigen Kinos zu sehen.

Schallplatte

Es ist das erstemal, daß man die Amerikanerin Dory Previn (ehemals Ehefrau des Dirigenten André Previn) bei uns hören kann: eine gescheite Frau mit offensichtlich intensivem Innenleben, kompliziert und enragiert.

Am meisten interessiert mich Pathos

In Ihrer Sternheim-Inszenierung hatte man das Gefühl, daß Sie mit Sternheims Sprache ziemlich desinteressiert umgegangen sind.

Dokument der Isolation eines sowjetischen Schriftstellers: Im Blutregen

zunächst mit Verwunderung reagiert: ein Roman, 1970 entstanden, den sein Verfasser als ein Buch über die Gegenwart bezeichnet und in dem, nach Aussage des Übersetzers, Freunde und Bekannte Kazakovs auftreten und zitiert werden und in dem doch das einzig Zeitgenössische ein paar Jahreszahlen jüngsten Datums sind, die gelegentlich Briefe und Gespräche datieren.

Späte Erinnerung

Milo Dor. In den meisten Literaturgeschichten, die sich mit der deutschsprachigen Nachkriegsdichtung beschäftigen, sucht man den Namen vergebens.

Fernsehen: Mein Kind kann nicht lesen

Vorteil einer Fernseh-Podiumsdiskussion zu einem der Öffentlichkeit so wenig geläufigen Thema wie dem der Legasthenie, jener Lese- und Schreibbehinderung, die nicht selten vorkommt und behandelt werden kann und keineswegs einfach kindliche "Dummheit" ist, als die sie früher immer galt und heute noch vielen gilt: eine Vielzahl von Gesichtspunkten und differenzierten, sich gegenseitig relativierenden Aussagen.

Hamburger Kinotage: Gegenblock

Fünfzehn meist amerikanische Filme, deren Einsatz die Verleihe wegen der desolaten Kinosituation in der Bundesrepublik nicht riskieren wollten, hat letzte Woche die Arbeitsgemeinschaft Kino in Hamburg gezeigt; sie wollte die Wirkung dieser Filme aufs Publikum prüfen und wird sie wohl in ihren rund vierzig sogenannten unabhängigen, kommunalen oder Programm-Kinos spielen.

Ein Spiel ohne Grenzen?

Frau Professor Elisabeth Noelle-Neumann soll das schier Unergründliche ergründen. Für den Bochumer Treibstoffkonzern Aral wird die Allensbacher Stardemoskopin in Kürze 2000 motorisierte Bundesbürger fragen, wann ihnen das Autofahren ganz vergällt sein wird.

Wochen der Entscheidung

Prognosen mag wohl niemand mehr lesen. Die Voraussagen über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 1974 sind mittlerweile so oft revidiert worden, daß allmählich auch berufsmäßige Propheten müde werden.

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