Seit der Ölkrise werden Plastiktüten nicht mehr überall kostenlos abgegeben

Deutschlands große Warenhauskonzerne begnügen sich noch mit einem Appell an die Sparsamkeit des Verbrauchers. An der Kasse des Karstadt-Lebensmittel-Supermarkts in der Hamburger Mönckebergstraße heißt es zum Beispiel: „Verehrter Kunde! Wegen der Ölkrise sind wir nicht in der Lage, Verpackungsmaterial im gewohnten Umfang zur Verfügung zu stellen.“ Gleichzeitig wurden die Kassiererinnen angewiesen, die Tüten nicht mehr „in Bausch und Bogen“ zu verteilen, sondern den Kunden nur nach Anforderung zu bedienen. Die praktischen Tragetaschen aus Kunststoff, ohne die ein deutscher Haushalt nicht mehr auskommt, sind knapper geworden.

Auf den Vorstandsetagen der Handelskonzerne wird derzeit heftig darüber diskutiert, ob in Zukunft der Kunde nicht doch zur Kasse gebeten werden soll. Beispiele dafür gibt es bereits. In den Filialen von Tengelmann und Kaiser’s Kaffee Geschäft werden Tragetaschen nur noch gegen Bargeld abgegeben.

Wie kostspielig das Verpackungsmaterial ist, zeigt die Rechnung der Essener Karstadt-Zentrale. Sie gab im vergangenen Jahr in den Karstadt- und Kepa-Filialen knapp 100 Millionen Kunststofftüten aus. Bei einem durchschnittlichen Preis von sieben Pfennig schlägt sich dieser Service mit rund sieben Millionen Mark in der Kalkulation nieder.

Mit ähnlichen Zahlen rechnet auch der Kölner Kaufhof-Konzern. Dort hat man bereits nach Möglichkeiten zur Kostensenkung des Verpackungsmaterials geforscht. Auf die Kunststofftüte will auch in Köln niemand verzichten, aber statt mit zwei Farben werden die Kaufhoftüten künftig nur noch mit einer Farbe bedruckt. Auch damit, so Kaufhof-Sprecher Hans-Heinrich Campen, können erhebliche Kosten gespart werden.

Die Branche verteilt pro Jahr rund 2,5 Milliarden Plastiktüten. Dafür bezahlen die Händler insgesamt 220 Millionen Mark an die Industrie.

Die Ölkrise ist freilich nur ein Alibi für die plötzliche Knauserigkeit der Warenhäuser. Die Diskussion pro und kontra kostenloser Tragetüten ist schon über ein Jahr alt. Als im vergangenen Jahr Überlegungen der Einzelhändler über dieses Thema bekannt wurden, meldete sich die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher zu Wort. Sie beschuldigten die Einzelhändler, sich mit den Tüten sogar zu bereichern. In der Tat wird das Verpackungsmaterial nicht kostenlos an die Käufer abgegeben. Vielmehr gehen die Verpackungskosten über die Kalkulation als Aufschlag in die Preise. Wenn, so die AGV, nun auch noch an der Kasse ein Obulus für die Tüte berappt würde, verdienten die Händler zweimal.